Medienberichte

15.4.2019: addendum.org: Wie die EU 400.000 Tonnen Milch verpulverte
Um den Milchmarkt zu stabilisieren, kaufte die EU ab dem Jahr 2014 400.000 Tonnen Milchpulver und lagerte sie ein. Inzwischen ist der Großteil davon verkauft – mit einem Verlust von geschätzt 24 Millionen Euro. Wo das Milchpulver gelandet ist, weiß niemand.

15.4.2019: vorarlberg.orf.at: „Wegwerftiere der Milchproduktion“
Männliche Kälber sind keine Nutztiere mehr, sondern tatsächlich „Wegwerftiere der Milchproduktion“, sagt die Bregenzer Tierärztin Tanja Warter. Wollte man Kälberexporte reduzieren, wäre eine grundlegende Umstellung der heimischen Landwirtschaft notwendig.

10.4.2019: tvthek.orf.at: Oberösterreich heute: Schwierige Zeiten für die heimische Landwirtschaft
Ministerin Elisabeth Köstinger hat bei einer Veranstaltung in der Raiffeisenlandesbank in Linz einen harten Kampf gegen finanzielle Einschnitte und für eine Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, zur Abgrenzung von Billigprodukten aus dem Ausland, angekündigt.

5.4.2019: topagrar.com: Neue Einheitswerte belasten Bauern
Mit der Hauptfeststellung der agrarischen Einheitswerte stiegen die Einheitswerte und damit die Abgaben. Trotz teilweiser Abfederung bei Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge über 10% habe sich die Belastung bei manchen verfünffacht, beklagen Kärntner Landwirte. Erste Exekutionsandrohungen der SVB gibt es bereits.

3.4.2019: nzz.ch: Warum die Wertschöpfung in der Landwirtschaft so gering ist
Nicht die geringe Produktivität oder die hohen Produzentenpreise sind das Problem der Schweizer Landwirtschaft, sondern die geringe Wertschöpfung auf dem Bauernhof.

2.4.2019: 3sat.de: FILMTIPP: Milliardenschwer – Das System Milch
Milch ist Big Business. Hinter dem unschuldig anmutenden Lebensmittel verbirgt sich ein milliardenschweres Industriegeflecht. Profit wird auf Kosten der Umwelt, der Tieren, der Menschen und unserer Gesundheit gemacht. Dabei ginge es auch anders… ” Das System Milch” ist eine cineastische Reise über mehrere Kontinente, die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.

6.4.2019: deutschlandfunk.de: Landwirte in Deutschland – Das Sterben der Höfe
Hohe Investitionen, geringe Erzeugerpreise: Landwirte müssen häufig ums Überleben kämpfen. Viele werfen das Handtuch, weil sie sich von der EU-Agrarpolitik nicht ausreichend unterstützt fühlen. Betriebe ab 200 Hektar aufwärts profitieren, Ökobauern dagegen haben es in Deutschland schwer.

 

Beitrag aus der aktuellen IG-MilchPost: “Regionalentwicklung als Konfliktlösung”

Der ungelöste Kernkonflikt
Im reichen deutschen Bundesland Baden-Württemberg sind die Bauern so überschuldet, dass ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe bereits quasi den Banken gehört. Dies berichtet der Ökonom Christian Hiß aus Freiburg im Breisgau. Dabei sind das meistens gewachsene, große Betriebe. Die Politik ist ratlos. Ein solcher Zustand verschwendet viel Potenzial und sichert nicht mehr die Ernährung. Das muss erst in unseren Köpfen bewusst werden. Es macht sichtbar, dass dieses Wachstumssystem in sich selbst zerstörend ist. Wir sollten in Österreich die Bremse ziehen, denn auch bei uns dominiert inzwischen dieser Mechanismus der Intensivierung mit Wachstum der Betriebe und der Produktion ohne Grenzen (keine Quote), mit Überschüssen die den Erzeugerpreis des Bauern niedrig halten. Bauern geraten dabei in Überschuldung oder sie scheiden aus. Genau dieser gewaltvolle Mechanismus hat auch Österreich erfasst und dies trotz sehr guter Programme im Ministerium für Nachhaltigkeit wie das ÖPUL-Umweltprogramm, die Berg- und Biobauernförderung, die Programme für Ländliche Entwicklung. Warum machen die Bauern, selbst Biobauern, bei diesem destruktiven Mechanismus mit? Als Konfliktforscher sehe ich, dass dieses Mitmachen eine „Flucht nach vorne“ ist. Bauern sind getrieben von Zukunftsängsten, die aus dem Verlust der Wertschöpfung stammen. Die Wurzel der Angst liegt also im Verlust der früheren Selbstverarbeitung ihrer Produkte auf den Höfen oder in den regionalen Verarbeitungs- Gemeinschaften, die wertschöpfend, überschaubar und sicher waren. Der Ausweg und eine Auflösung des Konfliktes kann nur – soweit es geht – ein Zurückholen verlorener Wertschöpfung in die überschaubaren Regionen mit Beteiligung vieler Betroffener in neuen Regionalentwicklungs- Gemeinschaften sein. Als Lieferanten an eine Großmolkerei, einen Schlachthof, sind die Bauern einseitig abhängig geworden, sie haben als Rohproduzenten den Einfluss sowohl auf die Menge (Verlust der Quote) als auch den Preis verloren und das ist ein Teil dieser Angst. Wenn man zum Beispiel prüft, was in unseren landwirtschaftlichen Schulen und Mittelschulen sowie bei der Beratung in den Kammern gelehrt wird, dann sieht man leider, es geht mehrheitlich – mit Ausnahmen – in Richtung Intensivierung. Und das setzt sich fort bis in die Forschung und die Universität. Und beim Bio-Landbau spricht man von einem Rückbau zum Konventionellen. Wir brauchen dringend eine Wende in Bildung und Beratung und vor allem ein Programm für eine konfliktlösende, wertschöpfende Regionalentwicklung. Wie wirkt eine konfliktlösende, wertschöpfende Regionalentwicklung Hier ein Vergleich von den zwei Systemen: konfliktschaffende Intensivierung oder konfliktlösende Regionalentwicklung:

  • Das System der Intensivierung mit Überschussproduktion und ihre Schäden.
    Häufige Naturschädigung, Artenvielfalt leidet, Bodenverdichtung, etc.
    Auflösung vom Gemeinschaftsleben, jeder kämpft gegen jeden.
    Aushungern der Regionalwirtschaft, Kapital wird aus der Region abgezogen.
    Eigentumsverlust, Höfe gehören am Ende der Bank.
    Gesundheitsverlust aus Überlastung, Hausfriedensverlust, Familiendramen.
    Identitätsverlust, Selbstwertverlust, Kleinere wollen auch Große sein.
    Kultur- und Sozialverlust, stellenweise nur mehr vereinsamte, alte Menschen in Regionen. Verlust von bäuerlichem Können, Fertigkeiten für Ernährung und im Handwerk und Gewerbe.
    Verlust der Ernährungssicherheit als Ergebnis aller genannten Punkte.

Die angeführten Konflikte werden in einer guten Regionalentwicklung aufgelöst, zumindest entschärft:

  • Eine Regionalentwicklung ist zunächst menschlicher und ökologischer als die Intensivierung und sie ist im Kern sehr gemeinwohlorientiert. Sie ist darauf ausgerichtet, dass der Mensch mit der Umwelt im Mittelpunkt steht und nicht das Kapital und der Profit. Es geht um eine ökologische, ressourcensparende Produktion nach Bedarf.
  • Aus dem bisherigen Gegeneinander des Verdrängungswettbewerbes wächst eine Kultur des Miteinanders, das ist das Wesen von Regionalentwicklung. Die verschiedenen Betriebe der Produktion, der Verarbeitung und Vermarktung werden aufeinander abgestimmt und kooperieren miteinander.
  • Es entstehen Wertschöpfungsketten von der Produktion bis zum Teller, die ein stabileres Wirtschaften ermöglichen, das Geld wird nicht mehr abgezogen, sondern bleibt in der Region. Bei beteiligten Bauernhöfen werden in der Zusammenarbeit hohe Schulden und krankmachender Stress vermieden, das entlastet die Menschen und sie werden körperlich und geistig wieder gesünder.
  • Auch für Bauernhöfe ohne Nachfolger können integrative Lösungen gefunden werden.
  • Durch eine bewusste Übernahme von geschichtlich bewährten Merkmalen, Eigenschaften und Fähigkeiten der bäuerlichen Ökonomie in die Regionalentwicklung werden altes Erfahrungswissen und auch Ressourcen wie regional angepasstes Saatgut eingebunden und erhalten. Das führt zu einer Belebung der Kultur.
  • Es soll auf ein wertschätzendes Miteinander geachtet werden, das macht es möglich, dass die in den Menschen angelegten Potenziale laut Hirnforscher Gerald Hüther zur Entfaltung kommen. Menschen finden zu ihrer eigenen Produktivität und Zugehörigkeit in einer Gemeinschaft. Zugehörigkeit und Mitgestalten stiften Identität.
  • Es wird Wert darauf gelegt, spezifische, regionale Artenvielfalt sowie das Wissen dazu zu erhalten. Jede Region soll erkennbar werden an ihrer spezifischen Art und ihrem Geschmack. Dies ist für die lokale Bevölkerung und für den Tourismus wesentlich. Ein überregionaler Ausgleich schafft Verbindung mit anderen Regionen. Gesamt geht es um die Entwicklung einer umfassenden, regionalen Versorgungswirtschaft in regionalen Wertschöpfungsräumen. In übersichtlicher Gebietsgröße können solche Regionalgemeinschaften zu Stationen einer souveränen, sicheren Versorgung mit Ernährungssouveränität werden.

Fazit: Wenn man beide Systeme nebeneinander hinstellt, so, dass man sie gut vergleichen kann, sieht man erst wirklich den Unterschied. Es ist erschreckend, welche Selbstzerstörung in unserem laufenden Intensivierungs- und Überschuss-System eigentlich wirklich steckt. Da wundert man sich dann, dass wir nichts mehr tun um einen Ausweg zu finden, um aus diesem destruktiven System herauszukommen. Wer mit seinem Bauernhof gut überleben will, muss sich also gründlich damit befassen, wo man noch mit Händen und Füßen im Netzwerk dieses Gefängnisses verflochten und gefangen ist. Die beste Übung dazu ist, sich aktiv am Aufbau einer konfliktlösenden Regionalentwicklung in der eigenen Region zu beschäftigen. Wer sich einfach vom Strom weiter treiben lässt und nichts tut, obwohl er weiß, was los ist, macht sich selber verantwortlich für den Untergang im destruktiven System. So kann das Bewusstmachen der Realität zunächst auch schmerzliche Unruhe stiften, aber genau das ist wichtig, da muss man durch.

Franz Rohrmoser

 

Dieser Beitrag stammt aus unserer aktuellen Zeitschrift:

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Medienberichte

27.3.2019: adennum.org: factum: Großbauernhof contra Kleinbetrieb
Was ist besser fürs Tierwohl? Die Factum-Reporter gehen in der Rubrik „Planet B“ am Beispiel zweier Milchbauern der Frage auf den Grund, ob „Massentierhaltung“ wirklich automatisch schlechter für die Kuh ist als ein Leben auf einem Kleinbauernhof.

30.3.2019: sn.at: UVP notwendig: Flachgauer Käserei will die Produktion groß ausweiten
Die SalzburgMilch hat um eine Aufstockung der Milchmengen für Lamprechtshausen angesucht – von 120 auf 300 Millionen Kilogramm pro Jahr. Die UVP-Verhandlung findet am 25. Juni statt.
Quelle: https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/uvp-notwendig-flachgauer-kaeserei-will-die-produktion-gross-ausweiten-67999402 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2019

29.3.2019: ots.at: FPÖ-Linder: „Regierung will Export hochwertiger Lebensmittel steigern“
„Gemeinsamer Antrag ist starkes Zeichen an heimische Bauern und auch ein Ausdruck des konstruktiven Stils dieser Regierung“

24.3.2019: salzburg.orf.at: Immer mehr Milch nach China
Die Salzburg Milch mit Standorten in der Landeshauptstadt und Lamprechtshausen (Flachgau) hat innerhalb von fünf Jahren ihre Exporte nach China beinahe verzehnfacht.

25.3.2019: nachrichten.at: Gmundner Molkerei baut Käserei für Bayern
GMUNDEN. Eine außergewöhnliche Kooperation: Um 37 Millionen Euro wird die Molkereigenossenschaft am Standort eine neue Käserei errichten, die auch von der bayerischen Privatmolkerei Jäger genutzt werden wird. 50 neue Arbeitsplätze sollen ab Ende 2020 entstehen.

9.3.2019: nachrichten.at: Hohe Qualität bringt Milchbauern Mehrkosten, aber auch gute Erlöse
WELS. Mehrweg-Glasflasche ist weiterer strategischer Schritt – Milchmarkt hat sich stabilisiert.

7.3.2019: suedkurier.de: Warum nicht die Kuh, sondern der Mensch der Klimakiller ist

1.3.2019: derstandard.at: Vorarlberger Amtstierarzt fordert “Reinheitsgebot der Alpenmilch”
Als Lösung für die Überproduktion von Milch und um Tiertransporte quer durch Europa einzudämmen

Filmtipp: “Wie schaffen wir die Agrarwende?”

Film zu sehen auf arte.tv: Wie schaffen wir die Agrarwende?

Die industrielle Landwirtschaft stellt zwar unsere Ernährung sicher und hat Gemüse, Obst und Fleisch billiger gemacht. Immer deutlicher aber bekommen wir ihre negativen Folgen zu spüren. Ein Jahr lang begleitet die Dokumentation Landwirte, die Alternativen zur industriellen Landwirtschaft suchen. Und sie fragt, welche Rolle wir Verbraucher und EU-Subventionen dabei spielen.

Welche Alternativen gibt es zur industriellen Landwirtschaft? Ist „Bio für alle“ möglich? Oder lässt sich auch die konventionelle Landwirtschaft in entscheidenden Punkten nachhaltiger gestalten? Große Hoffnungen setzen Wissenschaftler auch auf die nach ökologischen Prinzipien wirtschaftende neue Anbaumethode Permakultur. Kann sie einen entscheidenden Beitrag zu einer Landwirtschaft der Zukunft leisten? Ein Jahr lang begleitet die Dokumentation Landwirte in Deutschland und Frankreich, die nach Alternativen suchen. Sven Wilhelm aus dem Renchtal im Schwarzwald hat seinen Gemüseanbau auf bio umgestellt. In der Umstellungsphase braucht er einen langen Atem, um zu überleben. Michael Reber aus Schwäbisch-Hall geht einen Zwischenweg: Statt immer mehr Geld für Mineraldünger und Spritzmittel auszugeben, versucht er, mit speziellem Humusdünger die Bodenfruchtbarkeit auf seinen Äckern zu erhöhen. Und in der Normandie beschreiten Perrine und Charles Hervé-Gruyer mit der Permakultur ein Experiment, das trotz Verzichts auf Chemie die Produktivität deutlich steigert. Es zeigt sich aber auch: Ohne eine Änderung der Subventionsregeln der EU und des Kaufverhaltens der Verbraucher ist eine Agrarwende nicht zu schaffen.

Regie : Tatjana Mischke, Caroline Nokel
Land : Deutschland
Jahr : 2018
Herkunft : SWR

Dauer: 53 Min.
Verfügbar vom 16/03/2019 bis 20/06/2019
Nächste Ausstrahlung am Samstag, 13. April um 07:20
 

Rechtes Gedankengut & Landwirtschaft – Vortrag & Workshop

Vortrag und Diskussion: Fr, 5. April 2019, 19:30

Workshop: Sa, 6. April 2019, 9:30 – 16:00

im Seminarhaus Auf der Gugl (LK, LFI) – Seminarraum 7 (Birke), Auf der Gugl 3, Linz (OÖ)

Dass Neonazis auch Bio-Bauern sein können, ist ein alter Hut. Aber auch in unseren bäuerlichen Organisationen, in unserem ländlichen Umfeld oder in der Bewegung für Ernährungssouveränität können rechte oder rechtsextreme Kommentare fallen.

Wir laden ein zu Vortrag, Diskussion, Erfahrungsaustausch und Erarbeitung von Handlungsstragien. Was tut sich aktuell in Bezug auf rechte Positionen zur Landwirtschaft? Was ist überhaupt problematisch an „rechts“? Wie erkenne ich rechtsextreme Botschaften? Was können wir rechten Argumentationsmustern entgegensetzen?

Mehr Infos zum Workshop. Für den Workshop bitte anmelden bis 27. März.

Weitere Infos zum Vortrag

Flyer

veranstaltet von der ÖBV – Via Campesina Austria Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung

Interview mit Franz Rohrmoser

Die Plattform Pioneers of Change präsentiert spannende Interviews mit unterschiedlichen Gesprächspartnern, unter anderem auch mit Franz Rohrmoser. Das Interview wird geführt von Martin Kirchner:

Franz Rohrmoser spricht über seinen Lebensweg vom Bergbauernbub im streng katholisch geprägten Pinzgau, über seinen Weg als ‚Entwicklungshelfer‘ in Brasilien und seinen Weg der inneren Befreiung in Bezug auf Glauben und Sexualität. Wir sprechen über das Konzept des „kreativen Schuldbewusstseins“ und wie das sogenannte „Gottesgnadentum“ immer noch auf uns und die Agrarpolitik wirkt. Franz ist ein leidenschaftlicher und reflektierter und trotz Parkinson noch sehr engagierter Mensch, der extrem offen über alle Aspekte seines so reichen Lebens erzählt.

Trailer zum Interview: https://pioneersofchange-summit.org/slp/franz-rohrmoser/

Leserbrief: Es ist so weit, wir schließen unseren Heumilch-Betrieb!

Nachdem wir die Tierwohlvorschriften für die Heumilchproduktion seit 1. Jänner 2018 durch die eingeengte Lage im Dorf nicht mehr erfüllen können, haben wir uns entschieden, die Heumilch-Erzeugung einzustellen. Eine nicht so leichte Entscheidung, nachdem seit über hundert Jahren auf unserem Hof Heumilch erzeugt wird. Und wieder hat man es geschafft, ein ganzes Dorf Milchbauern frei zu machen, eine wirklich tolle Leistung. Mit den Eigenmarken wie Billa Heumilch und dergleichen hat man unsere Seele gleich mit verkauft und uns zu Sklaven der Handelsketten gemacht, wie das Beispiel der „Zurück zum Ursprung“-Lieferanten in Osttirol zeigte. Da ändert auch das zahnlose Fairness-Abkommen nichts daran – nur ein PR-Gag.

Für eine kurzfristige Umsatzsteigerung hat man alles aus der Hand gegeben, über die Folgen hat damals niemand nachgedacht. Jetzt kommen wir mit lauter Umbauen und Investieren nicht mehr nach, wo schon vorher ein kostendeckendes Produzieren fast nicht mehr möglich war. Und das alles zum Nulltarif, Vorschrift um Vorschrift und Auflage um Auflage im Jahrestakt. Die Handelsketten, die in sinnlosen Aktionen hochwertige Lebensmittel unter den Entstehungskosten verschleudern, fordern plötzlich Tierwohlvorschriften, wie pervers ist das.

Für mich hat sich das Ende schon abgezeichnet, wie man uns bei der Freien Milch Austria vernichtet hat, es wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, nicht weil wir ein Konkurrent waren, nein, weil wir zu viel Insider-Wissen hatten.

Warum fällt es so schwer anzuerkennen, dass sich auch die anderen ernsthaft bemühen, beste Arbeit zu machen. Der unerbittliche Kampf um Pachtgrund und das Schlechtreden unserer Kollegen, die andere Produkte erzeugen, nur um besser sein zu wollen, ist für mich unerträglich geworden. Jeden Tag zu melken, mit dem Wissen, dass ein Drittel der Milch in veredelter Form wieder weggeschmissen wird, da läuft es mir kalt über den Rücken. Da stellt sich mir die Frage, will ich da wirklich noch dabei sein?

Der Stall wird immer leerer, die Kühe spüren „da stimmt was nicht“, Frust macht sich breit, großzügige Standplätze mit viel Licht und frischer Luft werden verlassen.  Verschwendung von Volksvermögen, nur um ein paar Konzernen die Profitgier zu ermöglichen. Den Kühen, die zum Schlachter müssen, kann ich nur ein besseres nächstes Leben wünschen, das sie nicht mehr zu einem Tierquäler kommen. Und jetzt bin ich froh, die moderne Sklavenhaltung verlassen zu können, es hat sich bei mir sehr viel Frust angesammelt.
Grüße
Herbert Birgmann

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Filmtipp: Das Bio-Dilemma

7. März 2019: tvthek.orf.at: Am Schauplatz: Das Bio-Dilemma Der Bio-Boom in Österreich ist ungebrochen. Die Konsumenten kaufen gerne und immer mehr Bio-Produkte ein, sagen die Zahlen der AMA. Aber es gibt auch eine Kehrseite des Booms: Bei vielen Bio-Bauern kämen die Gewinne der Handelskonzerne nicht an, klagen viele Landwirte.

Weltweiter Klimastreik am 15.3.2019

Greta Thunberg – den Namen dieses 16-jährigen schwedischen Mädchens kennt inzwischen die ganze Welt seit sie im Dezember auf der Weltklimakonferenz den Staatschefs ins Gewissen redete. Weltweit schließen sich ihr junge Menschen an, treten freitags in den Schulstreik für das Klima und fordern eine Zukunft für ihre Generation. “Wofür soll ich lernen, wenn ich eh keine Zukunft habe?”, fragen sie. Zehntausende gehen inzwischen in Brüssel, Paris, Berlin auf die Straßen.

Für den 15. März rufen die Schüler*innen zu einem noch größeren weltweiten Klimastreik auf – auch in Österreich finden Streiks in Wien, Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt und weiteren Städten statt.

Alle Infos zu Klimastreiks in Österreich gibt es hier.

Auf die Jugend ist halt doch Verlass! Wir sind total begeistert, dass so viele junge Menschen für den Klimaschutz aktiv sind und möchten alle Jugendlichen dazu ermutigen, für ihre Zukunft zu kämpfen.

Medienberichte

21.2.2019: noen.at: Immer weniger Bergbauern: Schluss mit Alpen-Romantik Immer mehr Bergbauern sperren die Stalltüren zu. St. Oswalder Bauer kritisiert Konsumgesellschaft und Klischees in der Werbung.

13.2.2019: schweizerbauer.ch: Milchmarkt: Weniger als 20’000 Milchbauern
Der Trend zu weniger Milchproduzenten setzt sich unvermindert fort. 2018 wurde die Grenze von 20’000 Betrieben unterschritten. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande noch 19’568 Milchbauern gezählt, 3.2 Prozent weniger als im Vorjahr.

12.2.2019: tt.com: Tausende Milchbauern aus Sardinien demonstrierten in Rom
Rom (APA) – Tausende Schäfer und Milchbauern aus Sardinien haben am Dienstagvormittag vor der Abgeordnetenkammer in Rom gegen die niedrigen Milchpreise protestiert. Die Demonstranten skandierten Slogans gegen die ihrer Ansicht nach lächerlich niedrigen Milchpreise, die auf 60 Cent pro Liter gefallen seien. Damit könnten sie die Kosten der Produktion nicht decken.

11.2.2019: orf.at:  „Schockierender“ Bericht: Insektensterben führt zu „Kollaps der Natur“
Insekten sind auf dem Weg auszusterben – zu diesem Schluss kommt ein aktueller Bericht. Schon innerhalb eines Jahrhunderts könnten, wenn es zu keiner Trendumkehr kommt, 40 Prozent der Insektenarten der Vergangenheit angehören, heißt es darin. Das könnte zu einem „Kollaps der Ökosysteme der Natur führen“.