EINLADUNG

ZUKUNFTSSYMPOSIUM 2019

REGIONALENTWICKLUNG II

Sonntag, 20. Oktober 2019, 11.00 Uhr – ca. 15.00 Uhr
Wirt im Feld, Ennser Str. 99, 4407 Dietach
(am Nordrand der Industriestadt Steyr)

„Zukunftsfähige regionale Versorgungswirtschaft“

Es geht um neue Perspektiven in einer regionalisierten Landwirtschaft. Durch Zusammenarbeit zwischen Bauern/Bäuerinnen, KonsumentInnen und dem regionalen Gewerbe wird für alle Beteiligten eine höhere Wertschöpfung mit mehr Autonomie angestrebt. Wir brauchen eine neue Form des betriebswirtschaftlichen Denkens und Rechnens. Christian Hiß, Referent des Symposiums zeigt, wie die Kosten der Umweltsanierung in die Betriebskosten eingerechnet werden. Dabei geht es um die Organisation kompletter und regionaler Wertschöpfungsketten – vom Rohprodukt bis zum Teller. Wir konnten ausgewiesene ExpertInnen und erfahrene PraktikerInnen für unser Symposium gewinnen.

Referenten:

  • Christian Hiß, Gärtner und Ökonom aus Freiburg. Seine Familie führte einen der ersten Biohöfe Deutschlands. Gärtnermeister, Pionier für regionale Wertschöpfung, Entwickler der Regionalwert AG. Autor von Büchern wie Regionalwert AG oder Richtig Rechnen, dabei zeigt Hiß auf, wie die Kosten der Umweltsanierung in die Betriebsrechnung einbezogen wird.
  • Andrea Heistinger aus St. Pölten, Agrarwissenschaftlerin, Soziologin, systemische Beraterin u. a. der „ARCHE NOAH“; zahlreiche Publikationen. Beide haben gemeinsam ein Forschungsprojekt zu diesem Thema bearbeitet. Heistinger ist Autorin mehrerer Bücher, zum Beispiel Handbuch Gemüse, Handbuch Samengärtner
  • Alexander Neunherz, hat an der Salzburger Universität in der ländlichen Entwicklung gearbeitet und in der Salzburger SPÖ
  • Julianna Fehlinger, ÖBV-Geschäftsleiterin, Expertin für außerfamiliäre Hofnachfolge

Wir freuen uns über Teilnehmer aus verschiedensten Bereichen:
Bauern/Bäuerinnen, KonsumentInnen, Fachleute der Regionalentwicklung, Bildungsfachleute, Schulleiter, Lehrer, Berater/Beraterinnen, Vertreter von Behörden im Bereich Ländliche Entwicklung im Ministerium für Nachhaltigkeit…

Programm:

11.15 Uhr: Eröffnung und Begrüßung: Ewald Grünzweil – Übergabe an Moderator (angefragt Luis Fidlschuster ÖAR)

11.20 Uhr: Einleitung: Warum & Wozu diese Veranstaltung:
Text Franz Rohrmoser, vorgetragen von Dr. Andreas Wagner

11.25 Uhr: Problemaufriss: Alexander Neunherz,
Welche Probleme brauchen eine Lösung?
Welche Fragen brauchen eine Antwort?

11.35 Uhr: Landflucht ist Weiblich: Julianna Fehlinger, ÖBV-Frauenarbeitskreis

11.45 Uhr: Regionalwert AG + Richtig Rechnen: Christian Hiß

12.30 Uhr: PAUSE

12.50 Uhr: Andrea Heistinger
Studie: von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft

13.35 Uhr: Diskussion: Zusammenfassung und wie geht’s weiter,
Vernetzung der Organisationen, des „anderen“ Teils des ländlichen Raums, konkrete Aufgaben formulieren und festlegen

 

Idee und Gesamtkoordination des Symposiums: Franz Rohrmoser mit Ewald Grünzweil. Inhaltliche Grundlage ist ein Zeitzeugenbericht von Franz Rohrmoser, der als Sondernummer der IG-MilchPost im August 2019 veröffentlicht wird.

 

Träger des Symposiums:
IG-Milch
ÖBV – Via Campesina Austria
SPÖ Bäuerinnen und Bauern
Die Grünen Bauern und Bäuerinnen

 

Anmeldung zum Symposium:
IG-Milch Büro: Email: office@ig-milch.at, Tel. 07213 20591

 

Als Grundlage für das Symposium dient der Zeitzeugenbericht von Franz Rohrmoser – der als Sonderausgabe der IG-MilchPost erschienen ist: IG-MilchPost: Zeitzeugenbericht

 

EINLADUNG ZUR JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG

am Sonntag, 20. Okober 2019, um 9:30 Uhr im Landgasthof “Wirt im Feld”, 4407 Dietachdorf.

Direkt im Anschluss an die Jahreshauptversammlung findet das angekündigte Zukunftssymposium 2019 – Regionalentwicklung II statt, zu dem wir auch recht herzlich einladen!

 

Tips Leserbrief “Wirren der IG-Milch” oder verwirrte Landwirtschaftskammer – Richtigstellung zu einer Presseaussendung der Bezirksbauernkammer Waidhofen

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer. Der ehemalige Geschäftsführer Freie Milch Austria und Mitbegründer der IG Milch Ernst Halbmayr stellt richtig. Foto: Karin Novak

 
Karin NovakKarin Novak, Tips Redaktion, 10.10.2019 08:08 Uhr
 

WAIDHOFEN/YBBS. Anlässlich der Hofübergabe bei der Bezirksbauernkammer Waidhofen/Ybbs von Klaus Hirner an Mario Wührer (Hier geht’s zum Artikel https://www.tips.at/nachrichten/waidhofen-ybbs/land-leute/481563-hofuebergabe-in-der-bezirksbauernkammer-waidhofen-ybbs-wuehrer-folgt-hirner) erreichte uns der folgende Leserbrief von Ernst Halbmayr:

Mit einiger Verwunderung las ich den Artikel mit dem Titel „Hofübergabe in der Bezirksbauernkammer Waidhofen an der Ybbs“. Auf Nachfrage bei der verantwortlichen Redakteurin gab mir diese bekannt, dass dies eine Presseaussendung der Bezirksbauernkammer Waidhofen sei, die von der Redaktion mit Fotos übernommen wurde.

Zum scheidenden Kammerobmann

Nun werden in diesem Artikel die besonderen Verdienste des scheidenden Kammerobmannes Klaus Hirner bezüglich der Biomilch Lieferanten im Ybbstal gepriesen.

Zitat:
„Als 2009 ca. 150 Biomilchbauern ohne Abnehmer dastanden, organisierte er mit einigen selbst betroffenen Milchbauern unter Beistand der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer die Gründung einer Auffanggenossenschaft. Dadurch war es möglich, dass alle in den Wirren der IG-Milch-Bewegung gestrandeten Bio-Milchbauern in der NÖM wieder einen Abnehmer fanden und so erst die Milchlieferung wieder aufnehmen konnten. Heute sind alle Betriebe, die wieder über eine Genossenschaft Milch liefern wollten, dort wieder gut aufgehoben.“

Richtigstellung

Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen und erfordert eine Richtigstellung. Die Biomilch Lieferung im Kammergebiet Waidhofen an der Ybbs hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die hohe Anzahl an Biobetrieben war ein Ansporn für eine Biomilch Vermarktung, die sich jedoch nach dem Scheitern der Molkereigenossenschaft Waidhofen als schwierig darstellte. So waren die Biobetriebe gezwungen mehrmals die Molkerei zu wechseln.

Vertrag mit Molkerei Seifried aus Aspach

Als die Molkerei Seifried in Aspach in Oberösterreich mit Bio ESL Milch im Lebensmittelhandel sehr erfolgreich war, nahm diese alle Biobetriebe in Waidhofen unter Vertrag. Daraus hat sich eine jahrelange gute Zusammenarbeit entwickelt. Ende 2008 wurde die Molkerei Seifried jedoch durch österreichische Genossenschaftsmolkereien aus dem Regal gedrängt und fand keine Ersatzprodukte, sodass Herr Seifried gezwungen war, alle Biomilch Lieferanten zu kündigen. Es war daher nicht die IG Milch dafür verantwortlich, sondern das gegenseitige unterbieten der Molkereien beim Lebensmittelhandel. Die Molkerei Seifried hat sich jedoch bereit erklärt, bis zur Übernahme aller Betriebe durch eine andere Molkerei, die Milch weiterhin abzunehmen. Als sich monatelang keine Molkerei bereit erklärte, die Biomilch Lieferanten aufzunehmen, hat sich die 2008 gegründete Milchvermarktungsfirma Freie Milch Austria GmbH bereit erklärt, die Lieferanten zu übernehmen. Über Nacht war dann auch ein Angebot der Nöm AG auf dem Tisch, das gemeinsam mit dem Agrarlandesrat und der Bezirksbauernkammer präsentiert wurde. Circa ein Drittel der Betriebe hat das Angebot der Freien Milch Austria angenommen, der Rest hat sich für die Nöm AG und deren Vorfeldorganisation Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) entschieden.

Forderung nach Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft

Daher sind nicht die „Wirren der IG Milch“ für die Vorfälle verantwortlich und es musste auch niemand die Milchproduktion einstellen, wie es im Artikel angedeutet wird „… und so erst die Milchlieferung wieder aufnehmen konnten …“. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass diese Falschinformation von der Bezirksbauernkammer Waidhofen kommt und durch die Pflichtmitgliedschaft bei der Landwirtschaftskammer die Beiträge von Bäuerinnen und Bauern dazu verwendet werden, gezielt falsche Informationen zu verbreiten, um andere zu diskreditieren. Dies heißt auch, dass sich die Landwirtschaftskammer dafür entschuldigen muss oder die Pflichtmitgliedschaft abgeschafft wird.

Düstere Prognose

Die Landwirtschaftskammer sollte ihre Energie dazu verwenden, die Fehlentwicklungen nüchtern zu analysieren und eine zukunftsträchtige Ausrichtung zu entwickeln. Dazu gehört eine selbstkritische Betrachtung und eine vernünftige Gesprächsbasis mit Andersdenkenden. Gelingt es nicht, wird das Bauernsterben unvermindert weitergehen mit dramatischen Folgen auch für das Ybbstal.

Ernst Halbmayr (ehemaliger Geschäftsführer Freie Milch Austria und Mitbegründer der IG Milch) 

Schaidlberg 12

3352 St. Peter/Au

 

Beitrag aus der IG-MilchPost Sonderausgabe

Auszug aus dem Zeitzeugenbericht, Kapitel 7:

DIE REGION ALS HANDLUNGSRAUM UND POTENZIALENTFALTUNG

Aus der bisherigen Geschichte lernen

Bei den Gesprächen und Analysen innerhalb der „IG-Milch“, in der ich seit vier Jahren mitarbeite, sind wir zum Schluss gekommen, dass die Bauern in den letzten fünfzig Jahren viele Bereiche der Wertschöpfung verloren haben. Also geht es in unserem Programm künftig darum, Teile der Wertschöpfung wieder in die Regionen zurückbringen. Wir packen das Thema an. Wir haben uns deshalb bereits im Oktober 2018 das erste Mal mit Christian Hiß, dem Spezialisten aus Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg), gekoppelt. Er hat große Erfahrung speziell im Bereich „regionaler Wertschöpfung“, der Entwicklung von Wertschöpfungsketten von der Produktion bis zum Essen auf dem Teller am Tisch. Er verwirklicht dies in Projekten der „Regionalwert AG“. Hiß denkt das Verhältnis vom Rohprodukt bis zum fertigen Lebensmittel beim Kunden neu zu Ende. Eine Besonderheit ist seine Miteinrechnung der Kosten ökologischer Umweltsanierung – zum Beispiel der Bodensanierung – in die Betriebskosten landwirtschaftlicher Betriebe.

Christian Hiß veröffentlichte im Jahr 2017 mit Andrea Heistinger aus St. Pölten und Thomas Frieder vom „AgrarBündnis“ in Konstanz (Bodensee) die Studie: „Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft“. Darin geht es, wie der Titel besagt, um regionales Wirtschaften. Besonderes Augenmerk liegt in dieser Studie darauf, dass Merkmale und Eigenschaften früherer regionaler Versorgung erkannt und erforscht werden, um diese in moderner, aktueller Form in die neue Regionalentwicklung zu integrieren. Diese Herangehensweise geht davon aus, dass man nicht alles einfach machen kann. Denn lebendige Prozesse kann man nicht machen, man kann sie nur entdecken und fördern. Anders gesagt: Man baut hier auf bewährten regionalen Strukturen auf. Man muss ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Bei unserem Symposium am 20. Oktober 2019 wird die genannte Studie von zwei der Autoren, von Hiß und von Heistinger, vorgestellt werden. Dabei wird das Verhältnis angemessener Werkzeuge und Strukturen aus der Zeit vor der arbeitsteiligen Industrialisierung, in der die regionale Versorgung funktionierte, auf heutige Übertragungs-möglichkeiten hin neu gedacht. Diese Werkzeuge werden „funktionelle Eigenschaften“ genannt.

Richtig rechnen

Ein anderes der Bücher von Christian Hiß heißt: „Richtig rechnen! Durch die Reform der Finanzbuchhaltung zur ökologisch-ökonomischen Wende“ (Oekom Verlag 2015, ISBN 978-3-86581-749-5). In diesem Buch geht Hiß, der gelernter Gärtnermeister ist und dessen Vater bereits einen Demeter-Biobetrieb führte, mit seinem zusätzlichen Studium der ökologischen Ökonomie in eine sehr fundierte Betrachtung der ökologischen Diskussion. Hier ein Auszug daraus über „echte Ökonomie“:

„Als Gärtner arbeite ich mit den Gesetzen des Aufbaus und des Abbaus der natürlichen Fruchtbarkeiten und bin deshalb mit der ursprünglichsten aller Ökonomien vertraut, dem Haushalten mit den natürlichen Ressourcen und den Gesetzen ihrer Regeneration. Ich kenne ihre Belastbarkeit und arbeite am erfolgreichsten innerhalb der Grenzen, die sie auszuhalten in der Lage sind. In den vergangenen Jahrzehnten hat aber ein Ökonomieverständnis die Oberhand gewonnen, das diese Gesetzmäßigkeiten und Grenzen missachtet. Man geht mit den natürlichen und sozialen Ressourcen um, als wäre ihre unendliche Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit gegeben. Dieses falsche Wirtschaften wird abgeleitet aus dem konstruierten und abstrakten Rechenschema, das zwar jedes Unternehmen anwendet, das aber trotzdem nicht richtig ist. Es verengt den Blick auf eine unvollständige Abstraktion und macht blind für die ganze Realität des jeweiligen Wirtschafts-prozesses.“ (dort S. 15)

Die „funktionellen Eigenschaften“ regionaler Versorgungswirtschaft

Blicken wir jetzt wieder zurück auf die zuvor genannte Studie „Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft“ von Hiß, Heistinger, Frieder. Als wertvolle „funktionelle Eigenschaften“ werden dort genannt:

  • generationenübergreifende Kontinuität und Beständigkeit
  • bedarfsorientierte Produktion für eine ökonomische und soziale Einheit
  • fließende Übergänge von Landwirtschaft zu Handwerk
  • ortsbezogenes Erfahrungswissen und praktische Fertigkeiten
  • existenzieller Umgang mit natürlichen Ressourcen
  • verfügbare Reproduktion bei Nutzpflanzen und Nutztieren  
  • systemimmanente Energieversorgung
  • gegenseitige Absicherung bei Schäden und Unfällen

Durch Hervorhebung habe ich hier wichtige Eigenschaften nochmals betont. Wenn wir bei der zukünftigen Entwicklung unserer Regionen diese wertvollen alten Merkmale neu zum Erblühen bringen, dann passiert viel Nachhaltiges. Wenn wir etwa zur bedarfsorientierten Produktion zurückkehren, statt weiterhin Überschüsse zu produzieren und einen Großteil davon wieder zu vernichten; oder etwa bei der eigenen Reproduktion bei Nutzpflanzen durch Samenzucht; oder beim Aufbau regionaler Entwicklung auf den praktischen Fertigkeiten der Menschen.

Als jemand, der sich jahrelang mit Entwicklungsprogrammen beschäftigt hat, sage ich: Diesen besonderen Ansatz neuer regionaler Entwicklung – nämlich die früheren bäuerlichen Merkmale und Eigenschaften der Ernährungssicherung zu erfassen, zu reflektieren und für die Zukunft aufzubereiten und neu einzusetzen – finde ich großartig und außerordentlich wichtig. Denn er greift auf frühere, gewachsene, lebende Prozesse zurück. Und Leben kann man nicht machen, sondern nur entdecken und fördern. In solchen Prozessen steht, wie Ivan Illich sagen würde, das Werkzeug wieder im Dienst des Menschen.

Franz Rohrmoser, Konfliktforscher, im Juli 2019

(Lektorat: Dr. phil. Andreas Wagner)

 

Dieser Beitrag stammt aus unserer aktuellen Zeitschrift:

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Entscheidung im Fall: Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung

Nachdem diese Woche ein klärendes Gespräch zwischen den Betroffenen und Verantwortlichen stattfand, ist zumindest die geplante Regelung außer Kraft gesetzt. Das heißt jedoch noch nicht, dass hier eine vernünftige Nachfolgeregelung gefunden wird. Es ist daher besonders wichtig, die weiteren Vorgänge genau zu beobachten und jeden weiteren Versuch in die Grundrechte der Bäuerinnen und Bauern einzugreifen, abzuwehren. Besonders auffallend war, wie schwierig sich die gesetzliche Interessensvertretung, unsere Landwirtschaftskammer, tut. Da die Genossenschaften per Statut in den Gremien sitzen, wird hier mit anderem Maß gemessen. Jede andere Produktionssparte könnte sich so eine Regelung mit ihren Lieferanten nicht annähernd erlauben. Daher ist es umso wichtiger, dass die Milchbäuerinnen und -bauern eine eigenständige Interessensvertetung haben und das ist, wie man in diesem Fall sieht, die IG-Milch.
 

Reaktionen aus den Medien zur aktuellen Presseaussendung und zum Offenen Brief

17.9.2019: topagrar.com: Ennstal Milch: Neues Direktvermarkterregime vorerst vom Tisch
Groß war der Wirbel um neue Regeln für direktvermarktende Lieferanten der Ennstal Milch. Nach einem klärenden Gespräch zwischen Molkerei, Bauern und der Bezirksbauernkammer kommen die angekündigten Regeln vorerst nicht.

Kommentar im Falter zur Ennstal Milch Regelung: Herzige Kühe, beinharte Politik

13.9.2019: medianet.at: „Schüttgebühr” verstimmt IG-Milch
Eine Regelverschärfung für direktvermarktende Lieferanten durch die Ennstal Milch ruft die IG-Milch auf den Plan.

13.9.2019: medianet.at: Ennstal Milch zu IG Milch-Kritik: Regeln notwendig
Molkerei fordert von Direktvermarktern, gröbere Schwankungen der angelieferten Milchmenge zu vermeiden – Betriebe, die Schulmilch liefern, ausgenommen.

12.9.2019: tvthek.orf.at: Steiermark heute: Streit um Milch
Milchstreit im Ennstal

12.9.2019: orf.steiermark.at: Ennstal Milch soll Marktstellung missbrauchen
Der Milchbauern-Verein IG-Milch wirft der Ennstal Milch vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen, um den Wettbewerb durch Direktvermarktung auszuschalten. Die Ennstal Milch wiederum fordert neue Regeln für die Direktvermarktung.

12.9.2019: kleinezeitung.at: Bauern gegen Ennstal-MilchWirbel um “Geldstrafe” für Milch-Schwankungen
Obwohl es zu viel Milch gibt, sollen Direktvermarkter bestraft werden, wenn ihre Milchmenge schwankt. Die Bauern laufen Sturm, die Kammer will den Streit schlichten.

11.9.2019: trend.at: Milch: Ab Hof Verkauf durch neue Regeln kaum noch möglich
Bauern sollen künftig nur noch einen geringen Prozentsatz ihrer erzeugten Milch direkt, also ab Hof, verkaufen dürfen. Schuld daran soll eine steirische Molkerei sein, die nun den Bauern droht. Die Bauern bangen um die Direktvermarktung der Milch.. Was der Verband der Milchbauern nun plant und was die Bauern als demütigend empfinden.

11.9.2019: kleinezeitung.at: Vorwurf der IG-Milch: Ennstal Milch soll Marktstellung missbrauchen
Der Milchbauern-Verein IG-Milch wirft der steirischen Molkerei Ennstal Milch KG vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen um den Wettbewerb durch Direktvermarktung auszuschalten. Dagegen wollen sich die Milchbauern nun mit einer neuerlichen Anzeige bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und beim Kartellgericht wehren.

11.9.2019: diepresse.com: “Hier geht es um Demütigung”: Bauern kritisieren Ennstal Milch
Der Milchbauern-Verein IG-Milch wirft Ennstal Milch vor, den Wettbewerb durch Direktvermarktung auszuschalten. Stein des Anstoßes ist ein Rundschreiben der steirischen Molkerei.

10.9.2019: topagrar.at: Ennstal Milch: Wirbel um neue Direktvermarkter-Regeln 
Die obersteirische Molkerei Ennstal Milch hat die Regeln für direktvermarktende Lieferanten verschärft. Die IG Milch sieht darin einen Anschlag „gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung“. Der Molkereiobmann wehrt sich.

 

Bergeübung mit unserer Faironika

Die Freiwillige Feuerwehr in Schwarzenberg hat die heurige Bergeübung mit unserer Faironika durchgeführt.
Wir bedanken uns beim Pflichtbereichskommandanten Bernhard Eichinger für die Zusendung der tollen Bilder der Übung!

[See image gallery at www.ig-milch.at]

Klimaprotest: Woche für die Zukunft

Wann: 20. bis 27. September 2019

Wo: In ganz Österreich

Wir unterstützen gemeinsam mit einer ganzen Reihe anderer Organisationen den Klimaprotest.at und rufen zur Teilnahme an der Week for Future und den Earth Strike auf! Von 20. bis 27. September werden tausende Menschen aller Altersgruppen gemeinsam auf die Straße gehen und für eine lebenswerte Zukunft kämpfen! Das Highlight wird der Earth Strike am 27.9.:

STREIK FÜR DIE ERDE

Wann: 27. September 2019
Wo: In Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz und Bregenz

Kommt mit bäuerlichen Symbolen zur Demo und macht deutlich: Bauern und Bäuerinnen leisten einen Beitrag! 

Setzen wir ein Zeichen: There is NO Planet B!

Mehr Informationen zur Aktion unter: https://www.fridaysforfuture.at/
http://www.klimaprotest.at/
http://www.farmersforfuture.at/

 

Presseaussendung

IG-Milch: Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarkter

Eine böse Überraschung erlebten viele Bäuerinnen/Bauern, die ihre Milch an die Ennstal Milch liefern. Mit 1. Oktober soll eine neue Regelung für Direktvermarkter in Kraft treten, die jede Innovation und Initiative bestraft.

Auszug aus Rundschreiben Ennstal Milch KG:

„ …1. Regelmäßigkeit der Anlieferung: Anlieferungen in einem Monat unter 50 % der Höchstanlieferung des entsprechenden Monats werden als Unregelmäßigkeit eingestuft. In solchen Fällen wird ein Abzug von 5 ct/kg auf die gesamte Monatsmenge durchgeführt.

  1. Höchstmenge für die Direktvermarktung: Es dürfen max. 60.000 kg Milch (ab 80.000 kg Maßnahmen) verarbeitet werden. Wird diese Höchstmenge überschritten erfolgt als Maßnahme ein Abzug von 10 ct/kg auf die gesamte Jahresmenge (wurde bereits ein Abzug für unregelmäßige Lieferung einbehalten wird dieser gegenverrechnet). Auch die Feststellung der verarbeiteten Milchmenge wird gemeinsam durch die Hofberater mit dem Lieferanten getroffen. …“

Damit wird es unmöglich gemacht Wertschöpfung zurück auf den Hof zu holen und regionale Produkte zu erzeugen.

Die IG-Milch sieht da einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und einen direkten Zusammenhang mit Vorgängen in den letzten Jahren, wo Kritiker mit wirtschaftlicher Existenzvernichtung bestraft wurden. „Es ist kein Zufall, dass genau die Molkerei solch eine restriktive Regelung einführt, die vor Jahren gnadenlos gegen unseren Vorstand Michael Steiner vorgegangen ist, weil er es gewagt hat, den Geschäftsführer zu kritisieren“, so Ewald Grünzweil, Obmann der IG-Milch. „Durch den tragischen Verlauf wurde ein Exempel statuiert, das den abhängigen Milchlieferanten keine Möglichkeit bietet, dagegen vorzugehen. Die Ennstal Milch hat in ihrer Region eine absolut marktbeherrschende Stellung und nützt diese schamlos aus. Hier sind bei den verantwortlichen Funktionären der Hausverstand und der Anstand verloren gegangen. Daher haben wir uns als IG-Milch entschlossen, entschieden dagegen vorzugehen. Mit einer Anzeige bei der Bundeswettbewerbsbehörde und beim Kartellgericht möchten wir, verbunden mit einem offenen Brief an diverse Unternehmen, Organisationen und Ämter, eine Klärung herbeiführen. Sollte es bei dieser Regelung bleiben, wird es im Ennstal keine regionalen Milchprodukte, keine Innovationen am Milchmarkt und keine Wertschöpfungssteigerung auf den Höfen geben. Dies wäre ein fatales Signal und gegen alle Vernunft.“

Gerade der Tourismus und viele Konsumentinnen und Konsumenten aber auch die Handelsketten, suchen nach authentischen, handwerklichen und regionalen Produkten. Dieses Vorgehen der Ennstal Milch ist unseres Erachtens eine Missachtung der Erwerbsfreiheit, der bäuerlichen Selbstständigkeit und Schaffenskraft. „Es ist undenkbar in anderen Produktionssparten solche Regelungen einzuführen. Ob bei Rindern, Schweinen, Holz, Getreide – niemand würde die Produzenten dazu zwingen 20 bis 30 % des Monats- oder Jahresumsatzes der gesamten angelieferten Menge in Abzug zu bringen, falls ein Teil selber vermarktet wird. Es wäre auch das Ende regionaler Entwicklung und der Genussregionen.

Solch eine Vorgangsweise muss einer rechtlichen Klärung zugeführt werden um den Anfängen zu wehren, die aus selbstständigen Bäuerinnen und Bauern Sklaven der Milchindustrie machen“, so Ewald Grünzweil, Obmann der IG-Milch.

 

Bad Leonfelden, 11.9.2019

 

Rückfragehinweis:

Ewald Grünzweil, Obmann IG-Milch
0664 2023869
office@ig-milch.at
www.ig-milch.at

Ernst Halbmayr, Projektleiter A faire Milch
0664 9249635
halbmayr@aon.at

 

Rundschreiben Ennstal Milch

 

O-Ton Pressemappe:

11.9.2019  IG-Milch kritisiert Molkerei für „sittenwidrige Verträge“: Klagen werden geprüft

Ernst Halbmayr:
“Was sieht die neue Regelung vor?”

Ernst Halbmayr:
“Wie kommt es zu so einer Forderung?”

Ernst Halbmayr:
“Wie funktionieren Molkereien?”

Ernst Halbmayr:
“Was sind Ihre Wünsche?”

Ewald Grünzweil:
“Wieso empfinden Sie die Verträge als sittenwidrig?”

Ewald Grünzweil:
“Was sind die nächsten Schritte?”

 

 

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung

 

Missstände in Molkereiwirtschaft treiben seltsame Blüten

Die von uns oft kritisierten Abhängigkeiten zwischen Milchlieferanten und Molkereien haben nun zu extremen Auswüchsen geführt, die es nötig machen entschieden dagegen vorzugehen. Noch immer gibt es bei der NÖM und bei der Berglandmilch Strafgebühren für ehemalige Freie Milch-Lieferanten. Nun hat nach der größten Molkerei Österreichs, der Berglandmilch, auch die Ennstal Milch neue Regelungen für Direktvermarkter beschlossen.

Auszug aus Rundschreiben Ennstal Milch KG:

„ …1. Regelmäßigkeit der Anlieferung: Anlieferungen in einem Monat unter 50 % der Höchstanlieferung des entsprechenden Monats werden als Unregelmäßigkeit eingestuft. In solchen Fällen wird ein Abzug von 5 ct/kg auf die gesamte Monatsmenge durchgeführt.

  1. Höchstmenge für die Direktvermarktung: Es dürfen max. 60.000 kg Milch (ab 80.000 kg Maßnahmen) verarbeitet werden. Wird diese Höchstmenge überschritten erfolgt als Maßnahme ein Abzug von 10 ct/kg auf die gesamte Jahresmenge (wurde bereits ein Abzug für unregelmäßige Lieferung einbehalten wird dieser gegenverrechnet). Auch die Feststellung der verarbeiteten Milchmenge wird gemeinsam durch die Hofberater mit dem Lieferanten getroffen. …“ siehe Beilage.

Viele empörte Milchbäuerinnen und -bauern haben sich bei uns gemeldet, weil sie von niemand anderem Unterstützung bekommen und sich in ihrer Existenz gefährdet fühlen. Mit Entsetzen haben wir den Inhalt des Rundschreibens gelesen und uns entschieden mit allen Mitteln dagegen vorzugehen. Sollte diese Regelung tatsächlich mit 1. Oktober 2019 in Kraft treten, wäre eine sinnvolle Direktvermarktung praktisch unmöglich. Dies würde bedeuten, dass es den Betriebsleitern unmöglich gemacht wird, mit Innovationen und Investitionen Wertschöpfung zurück auf den Hof zu holen.

Wir sehen hier einen massiven Eingriff in die Erwerbsfreiheit und eine absolute Einschränkung, seine Talente zu entwickeln und genau das umzusetzen, was die Region braucht. Handwerklich erzeugten Produkten, regionalen Lebensmitteln, innovativen regional typischen Milcherzeugnissen, durch Direktvermarktung geschaffene Arbeitsplätze und Wertschöpfung wird mit solchen Regelungen jede Zukunft genommen.

Obwohl Konsumentinnen und Konsumenten, Tourismusbetriebe und Handelsketten immer mehr auf regionale authentische Produkte setzen, stellt sich die Ennstal Milch mit diesen Beschlüssen gegen die eigenen Milcherzeuger/innen!

Dieser Auswuchs hat viele Ursachen, die zusammen zu solchen unerklärbaren Einschränkungen führen. Zum einen ist das die absolut marktbeherrschende Stellung der Molkerei in ihrer Region. Zum anderen sind mit der Absprache der Molkereiwirtschaft im Hintergrund, keine Lieferanten von anderen Molkereien aufzunehmen, die Erzeugerbetriebe ihren Molkereien total ausgeliefert. Dieser und andere Umstände, die in höchstem Maß wettbewerbsverzerrend sind, wurden schon 2017 bei der Bundeswettbewerbsbehörde von der IG-Milch gemeldet. Dies wurde jedoch unseres Erachtens nicht ausreichend untersucht. Während die Handelsketten bei der kleinsten Verfehlung zu Millionenstrafen verurteilt werden, knebeln die Molkereien weiterhin ihre Lieferanten.

Die Ennstal Milch hat sich schon vor Jahren damit profiliert, besonders gnadenlos gegen interne Kritiker vorzugehen. Als ein innovativer und engagierter Direktvermarkter den Geschäftsführer der Ennstal Milch kritisierte, wurde er umgehend aus der Molkereigenossenschaft ausgeschlossen und in Österreich erstmalig eine Schüttgebühr für Nicht-Genossenschaftsmitglieder eingeführt. Der tragische Verlauf dieser Auseinandersetzung hat in der Region ein Exempel statuiert, das jeden Einspruch und Widerstand gegen solche diskriminierenden Vertragspunkte für die betroffenen Milcherzeuger unmöglich macht.

Wir werden daher über unseren Anwalt bei der Bundeswettbewerbsbehörde und beim Kartellgericht gegen diese Maßnahmen Beschwerde einlegen. Weiters werden wir mit diesem offenen Brief alle maßgeblichen Ämter, Behörden, Institutionen und Unternehmen informieren und ersuchen mitzuhelfen hier eine sinnvolle Lösung zu finden.

Die IG-Milch hatte in ihrer 15-jährigen Geschichte öfter mit ähnlich absurden Vorfällen zu tun, die uns alternativlos dazu veranlassten, gewisse Vorgänge grundsätzlich zu klären – auf juristischer, aber auch auf moralischer Ebene.

Genau das ist hier wieder notwendig.

Es muss das gute Recht eines jeden Bauern und jeder Bäuerin bleiben, selbst über seine erzeugten Produkte zu verfügen. Der Niedergang des ländlichen Raums kann nicht durch sklavenähnliche Vertragsverhältnisse verhindert werden, sondern nur durch mehr Freiräume, Innovation und mutige unternehmensfrohe Menschen.

Wir bitten Sie daher um Antwort bis Mittwoch, den 25. September 2019, um das weitere Vorgehen planen zu können.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ewald Grünzweil, Obmann IG-Milch

Ernst Halbmayr, Projektleiter A faire Milch

 

Beilage:

Rundschreiben Ennstal Milch

 

Offener Brief

Rundschreiben Ennstal Milch