Der österreichische Milchmarkt kollabiert erneut – und das nicht überraschend.
Bei der Berglandmilch zeigt sich exemplarisch: Ein Plus von rund 6,7 Cent je Kilogramm netto in elf Monaten wurde binnen vier Monaten mit einem Minus von über 10,7 Cent wieder zerstört.
Der Milchpreis liegt damit wieder auf dem Niveau von 2022 – trotz deutlich höherer Produktionskosten.
Noch vor wenigen Monaten erklärten Verantwortliche großer Molkereien steigende Mengen und stabile Preise für unproblematisch.
Diese Fehleinschätzungen wurden rasch von massiven Preissenkungen widerlegt – bezahlt von den Bäuerinnen und Bauern.
„2022 war teuer, 2024 war teuer, 2025 ist teuer geblieben – nur der Milchpreis wird immer billiger“, sagt Ewald Grünzweil, Obmann der IG-Milch.
PRESSEAUSSENDUNG – IG-Milch
Milchmarkt bricht zusammen – Zahlen belegen Führungsversagen und Marktversagen
Der österreichische Milchmarkt steht erneut vor einer massiven Krise. Aktuelle Netto-Preisdaten der Berglandmilch zeigen: Was binnen elf Monaten langsam aufgebaut wurde, ist in nur vier Monaten wieder eingebrochen – bei gleichzeitig höheren Produktionskosten. Die IG-Milch sieht darin das Ergebnis falscher Marktsteuerung und erneuert ihre Forderung nach einer verbindlichen Mengensteuerung.
Krise mit Ansage – kein plötzlicher Einbruch
Die IG-Milch begrüßt, dass einzelne Molkereien angesichts massiver Übermengen inzwischen eine Reduktion der Milchmenge fordern. Dass in einer akuten Krise überhaupt gegengesteuert wird, ist richtig – kommt jedoch deutlich zu spät. Die aktuelle Situation ist kein Naturereignis, sondern das absehbare Ergebnis jahrelanger Fehlsteuerung am Milchmarkt.
„Was wir derzeit erleben, ist kein Naturereignis, sondern ein Systemfehler“, erklärt Ewald Grünzweil, IG-Milch. „Und dieser Fehler lässt sich mittlerweile klar mit Zahlen belegen.“
Preisabsturz bei der Berglandmilch – ein Beispiel für das System
Exemplarisch zeigt dies die Preisentwicklung bei der Berglandmilch, der größten österreichischen Molkerei. Dort wurde der Netto-Milchpreis zwischen Herbst 2024 und Sommer 2025 in elf Monaten schrittweise um rund 6,7 Cent je Kilogramm erhöht. Seit November 2025 ist dieser Preis jedoch innerhalb von nur vier Monaten wieder um mehr als 10,7 Cent je Kilogramm netto gesunken.
„Was mühsam aufgebaut wurde, ist in kürzester Zeit überkompensiert eingebrochen – das ist die brutale Logik eines ungeregelten Marktes“, so Grünzweil.
Kosten bleiben hoch – die wirtschaftliche Schere geht auf
Der aktuelle Auszahlungspreis liegt damit wieder auf dem Niveau von 2022 – allerdings unter völlig anderen Rahmenbedingungen. Während die Netto-Milchpreise seitdem um über 20 Prozent gefallen sind, sind die Produktionskosten nicht gesunken. Der Agrarpreisindex für tierische Erzeugung liegt weiterhin über dem Niveau von 2022.
„2022 war teuer, 2024 war teuer, 2025 bleibt teuer – nur der Milchpreis wird immer billiger“, sagt Grünzweil. „Das ist keine vorübergehende Schwankung mehr, sondern eine strukturelle Unterdeckung für die Bäuerinnen und Bauern.“
Falsche Einschätzungen der Molkereiführung
Besonders problematisch ist, dass Verantwortliche großer Molkereien noch vor wenigen Monaten öffentlich erklärten, es gebe kein Problem mit steigenden Milchmengen und die Milchpreise würden bis zum Jahresende stabil bleiben. Diese Einschätzungen standen im Widerspruch zu bekannten Marktsignalen – und wurden innerhalb kürzester Zeit von massiven Preissenkungen widerlegt.
„Das zeigt kein Kommunikationsproblem, sondern ein Führungsproblem“, so Grünzweil. „Wenn steigende Mengen und stabile Preise gleichzeitig in Aussicht gestellt werden, zahlen am Ende immer die Bäuerinnen und Bauern die Rechnung.“
Lebensmitteleinzelhandel nutzt Übermengen konsequent aus
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Übermengen werden vom Lebensmitteleinzelhandel sofort erkannt und konsequent für Preissenkungen genutzt. „Wenn der Markt in Milch ersäuft, weiß das der Handel genau. Mit übervollen Märkten verlieren die Bäuerinnen und Bauern jede Verhandlungsmacht – mit kontrollierten Mengen wäre die Ausgangslage eine völlig andere“, betont Grünzweil.
IG-Milch fordert verbindliche Mengensteuerung
Aus Sicht der IG-Milch zeigt sich damit erneut das Versagen des sogenannten freien Marktes. Preiserhöhungen erfolgen langsam und zögerlich, Preissenkungen schnell, geballt und vorweg argumentiert. Das wirtschaftliche Risiko wird systematisch nach unten weitergereicht – auf die bäuerlichen Betriebe.
Die IG-Milch fordert daher erneut und mit Nachdruck die Einführung einer verbindlichen, wirksamen Mengensteuerung, die vorbeugend eingreift, bevor Übermengen entstehen.
„Ohne Mengensteuerung gibt es keine Preisstabilität. Und ohne Preisstabilität gibt es keine Zukunft für die Bäuerinnen und Bauern“, so Grünzweil abschließend.
Kontakt:
IG-Milch
Ewald Grünzweil
0664 2023 869
Hinweis: In den nächsten Tagen veröffentlicht die IG-Milch einen offenen Brief an Bundesregierung, Lebensmitteleinzelhandel und Molkereien mit der Forderung nach einer verbindlichen Mengensteuerung.