Angedachte Hilfsmaßnahmen ungeeignet und enttäuschend!
Pram: „Die Situation für die Milchviehbetriebe hat sich weiter verschärft und es ist noch nicht abzusehen was da noch auf uns zukommt. Diese Dürre ist ein Jahrhundertereignis und die gesamten Folgen sind noch nicht einschätzbar. Die Tragweite ist aber scheinbar noch nicht bei den Politikern und den Experten angekommen. Dieser Umstand ist sicher auch der Realität geschuldet, dass Betroffene und Praktiker nicht eingebunden werden! Wir sind seit jeher gefordert mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten und permanent zu entscheiden und dies auch immer wieder anzupassen. “ so Andreas Hetzlinger Obmannstellvertreter der IG-Milch aus Pram in Oberösterreich.
Ernst Halbmayr Mitbegründer des Europea Milkboard (EMB) und der Marke „A faire Milch“ hat auch wenig Verständnis für die bis jetzt skizzierten Maßnahmen. „Ich habe die letzten Tage mit Kollegen aus halb Europa telefoniert und das Bild ist erschreckend! Überall zu wenig Futter, überall zu wenig Wasser und alle beginnen Kühe zu schlachten. Die Betriebsführer stehen unter extremen finanziellem, aber auch psychischem Druck. Wenn man das alles zusammenzählt, steuern wir zumindest auf einen Versorgungsengpass nicht nur bei der Milch zu. Deshalb muss rasch und effizient geholfen werden, sonst stehen uns jahrelange Preissteigerungen bei Lebensmitteln bevor. Eine wirksame Hilfe für die Bäuerinnen und Bauern ist auch ein Schutz für Konsumentinnen und Konsumenten vor stark steigenden Lebensmittelpreisen.“
Die bisher diskutierten Maßnahmen wie zinsbegünstigte Kredite und Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen sind keine Lösungen der aktuellen Probleme sondern kann man als Sterbehilfe bezeichnen. Unterstützung beim Saatgutkauf für die Neuanlage oder Sanierung von Futterflächen sind angesichts der geschädigten Böden und des ausbleibenden Regens nicht umsetzbar. Bei knappen Budgets ist es schwieriger die Mittel aufzubringen, aber wenn man Verhältnismäßigkeiten herstellt, wird und muss es gelingen.
Jetzt den Milchviehbetrieben den Vorwurf zu machen, dass sie nicht versichert waren, ist angesichts der Jahrhundertdürre respektlos und unangebracht. Allein wenn man hochrechnet, wieviel sich die Regierung dadurch in den letzten Jahren an Prämienunterstützung für die Hagelversicherung erspart hat, sind das mehrere hundert Millionen Euro. Es braucht sowieso ein Bündel an Maßnahmen, um der dramatischen Lage wirksam entgegenzusteuern.
Das Wichtigste im Moment ist, alle verfügbaren Futterpflanzen für die Rinder zu sichern. Hier appellieren wir auch an die Solidarität der Ackerbauern dies mit fairen Preisen zu ermöglichen. Weiters sollten alle Maßnahmen und Verpflichtungen die dem entgegenstehen für heuer ausgesetzt werden. Die von uns vor zwei Wochen aufgestellten Forderungen halten wir weiterhin aufrecht.
• Dürreausgleichzahlung von 300 Euro je Großvieheinheit in Dürreregionen
• Umsetzung einer nationalen Futtermittelbörse
• Sicherung der noch bestehenden Maisbestände für Wiederkäuer
• Transportkostenzuschuss für Futtermitteltransporte
• Einberufung eines Krisenstabes unter Einbeziehung von Betroffenen und Praktikern
„Es ist klar, dass zielgerichtet geholfen werden muss, was auch machbar ist. Es gibt genaue kleinregionale Wetterdaten und auch mit Sattelitenbildern sind die Regionen die Hilfe brauchen klar einzugrenzen. So wäre es möglich mit überschaubaren Mitteln wirksam und treffsicher zu helfen. Aber wie am Anfang festgestellt: Ohne die Einbindung der Betroffenen und der Praktiker werden wir auch in den nächsten Wochen keine tragfähigen Lösungen finden. Es werden weiter gesunde Kühe geschlachtet und damit jahrelange Aufbauarbeit zerstört und die Verzweiflung bei den Bäuerinnen und Bauern wird weiter wachsen mit schwerwiegenden Folgen für Selbstversorgung und leistbaren Lebensmitteln“ so Andreas Hetzlinger von der IG-Milch.
Rückfragehinweis:
Andreas Hetzlinger
Obmann Stellvertreter IG-Milch aus Pram in Oberösterreich
0650 7736652
office@ig-milch.at
Ernst Halbmayr
Mitbegründer European Milkboard und der Marke „A faire Milch“ aus St. Peter in der Au in NÖ
0664 9249635
halbmayr@aon.at

