Ende der Milchquote-Anfang der Solidarität?

Am 1. April ist es also soweit, nach 37 Jahren Milchquotensystem in Österreich, wird die Produktion freigegeben. Mit der Liberalisierung der Märkte setzt sich das Interesse des Industriekapitals gegen das Interesse einer nachhaltigen Landwirtschaft durch. Dies ist ein weiterer Beweis, dass die Politiker nicht das Wohl Ihrer Bürgerinnen und Bürger im Auge haben, sondern die Vollstrecker von Konzerninteressen sind.

Es gibt Ökonomen die behaupten, dass der freie Markt dazu führt, dass sich die Besseren gegen die Schwächeren durchsetzen und das in Summe zu mehr Wirtschaftsleistung und Gerechtigkeit führt, das wird aber in der Milchwirtschaft nicht funktionieren.

Der Traum der wachstumswilligen Betriebe, dass mit dem Auslaufen der Quote dieses Wachsen leistbar wird, wird zu einem Bumerang werden. Das Geld das man früher in Quotenkauf investieren musste, wird mehrfach mit sinkenden Milchpreisen, aufwendigerem Futterzukauf und höheren Pachtpreisen verbraucht werden. In der Landwirtschaft wird sich nicht der durchsetzen, der am besten, gerechtesten, nachhaltigsten und umsichtigsten seinen Betrieb führt, sondern das Gegenteil wird der Fall sein. Das Kommando werden die übernehmen, die sich und ihre Familien am meisten ausbeuten, die mit überhöhten Pachtpreisen den Grund an sich binden, die mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln die Produktion intensivieren und sich damit in große Abhängigkeiten treiben lassen.

Man muss befürchten, dass es zu einem Hauen und Stechen zwischen Groß und Klein, zwischen nachhaltig und ausbeuterisch und zwischen besonnen und halsbrecherisch führt. Dieser Weg wird mit Fördermodellen (Investitionsförderung) dem landwirtschaftlichen Ausbildungssystem (Ich will ein Großer sein) und Regeln der Verarbeitungsbetriebe (schlechterer Milchpreis für kleine LieferantInnen, Hofabholung erst ab einer gewissen Menge Milch…) gefördert und unterstützt.

In weiterer Folge führt dies zu mehr Konflikten innerhalb der Bauernschaft und auch zu mehr gesellschaftlichen Konflikten, da sich immer mehr KonsumentInnen für die Landwirtschaft interessieren und die Akzeptanz für diese Form der Landwirtschaft deutlich geringer wird.
Da der Markt jetzt schon mehr als gesättigt ist, wird die zu erwartende Mehrproduktion praktisch zur Gänze mit Subventionen in der dritten Welt landen und die dort heimische Produktion gefährden oder vernichten.
Es liegt an uns, dieser Entwicklung entgegenzutreten und einen anderen Weg zu gehen. Heini Staudinger nannte das im letzten „brennstoff“ Lebensraumpflege. Das heißt wir sind gefordert, andere Systeme zu entwickeln und umzusetzen.

Der Schutz für den bäuerlichen Betrieb, für ein erfülltes Leben, für Akzeptanz, für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft ist nicht Wachsen oder Weichen, sondern Solidarität mit den BerufskollegInnen und mit den KonsumentInnen.

IG-Milch

Bildquelle: Facebook (Klagt nicht, kämpft)
Bildquelle: Facebook (Klagt nicht, kämpft)

 

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