Freiheit und Fairness erfordern Mut und Selbstverantwortung.
IG-Milch, Februar 2015

EINLADUNG

ZUKUNFTSSYMPOSIUM 2019

REGIONALENTWICKLUNG II

Sonntag, 20. Oktober 2019, 11.00 Uhr – ca. 15.00 Uhr
Wirt im Feld, Ennser Str. 99, 4407 Dietach
(am Nordrand der Industriestadt Steyr)

„Zukunftsfähige regionale Versorgungswirtschaft“

Es geht um neue Perspektiven in einer regionalisierten Landwirtschaft. Durch Zusammenarbeit zwischen Bauern/Bäuerinnen, KonsumentInnen und dem regionalen Gewerbe wird für alle Beteiligten eine höhere Wertschöpfung mit mehr Autonomie angestrebt. Wir brauchen eine neue Form des betriebswirtschaftlichen Denkens und Rechnens. Christian Hiß, Referent des Symposiums zeigt, wie die Kosten der Umweltsanierung in die Betriebskosten eingerechnet werden. Dabei geht es um die Organisation kompletter und regionaler Wertschöpfungsketten – vom Rohprodukt bis zum Teller. Wir konnten ausgewiesene ExpertInnen und erfahrene PraktikerInnen für unser Symposium gewinnen.

Referenten:

  • Christian Hiß, Gärtner und Ökonom aus Freiburg. Seine Familie führte einen der ersten Biohöfe Deutschlands. Gärtnermeister, Pionier für regionale Wertschöpfung, Entwickler der Regionalwert AG. Autor von Büchern wie Regionalwert AG oder Richtig Rechnen, dabei zeigt Hiß auf, wie die Kosten der Umweltsanierung in die Betriebsrechnung einbezogen wird.
  • Andrea Heistinger aus St. Pölten, Agrarwissenschaftlerin, Soziologin, systemische Beraterin u. a. der „ARCHE NOAH“; zahlreiche Publikationen. Beide haben gemeinsam ein Forschungsprojekt zu diesem Thema bearbeitet. Heistinger ist Autorin mehrerer Bücher, zum Beispiel Handbuch Gemüse, Handbuch Samengärtner
  • Alexander Neunherz, hat an der Salzburger Universität in der ländlichen Entwicklung gearbeitet und in der Salzburger SPÖ
  • Julianna Fehlinger, ÖBV-Geschäftsleiterin, Expertin für außerfamiliäre Hofnachfolge

Wir freuen uns über Teilnehmer aus verschiedensten Bereichen:
Bauern/Bäuerinnen, KonsumentInnen, Fachleute der Regionalentwicklung, Bildungsfachleute, Schulleiter, Lehrer, Berater/Beraterinnen, Vertreter von Behörden im Bereich Ländliche Entwicklung im Ministerium für Nachhaltigkeit…

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EINLADUNG ZUR JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG

am Sonntag, 20. Okober 2019, um 9:30 Uhr im Landgasthof “Wirt im Feld”, 4407 Dietachdorf.

Direkt im Anschluss an die Jahreshauptversammlung findet das angekündigte Zukunftssymposium 2019 – Regionalentwicklung II statt, zu dem wir auch recht herzlich einladen!

 

Tips Leserbrief “Wirren der IG-Milch” oder verwirrte Landwirtschaftskammer – Richtigstellung zu einer Presseaussendung der Bezirksbauernkammer Waidhofen

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer. Der ehemalige Geschäftsführer Freie Milch Austria und Mitbegründer der IG Milch Ernst Halbmayr stellt richtig. Foto: Karin Novak

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Beitrag aus der IG-MilchPost Sonderausgabe

Auszug aus dem Zeitzeugenbericht, Kapitel 7:

DIE REGION ALS HANDLUNGSRAUM UND POTENZIALENTFALTUNG

Aus der bisherigen Geschichte lernen

Bei den Gesprächen und Analysen innerhalb der „IG-Milch“, in der ich seit vier Jahren mitarbeite, sind wir zum Schluss gekommen, dass die Bauern in den letzten fünfzig Jahren viele Bereiche der Wertschöpfung verloren haben. Also geht es in unserem Programm künftig darum, Teile der Wertschöpfung wieder in die Regionen zurückbringen. Wir packen das Thema an. Wir haben uns deshalb bereits im Oktober 2018 das erste Mal mit Christian Hiß, dem Spezialisten aus Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg), gekoppelt. Er hat große Erfahrung speziell im Bereich „regionaler Wertschöpfung“, der Entwicklung von Wertschöpfungsketten von der Produktion bis zum Essen auf dem Teller am Tisch. Er verwirklicht dies in Projekten der „Regionalwert AG“. Hiß denkt das Verhältnis vom Rohprodukt bis zum fertigen Lebensmittel beim Kunden neu zu Ende. Eine Besonderheit ist seine Miteinrechnung der Kosten ökologischer Umweltsanierung – zum Beispiel der Bodensanierung – in die Betriebskosten landwirtschaftlicher Betriebe.

Christian Hiß veröffentlichte im Jahr 2017 mit Andrea Heistinger aus St. Pölten und Thomas Frieder vom „AgrarBündnis“ in Konstanz (Bodensee) die Studie: „Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft“. Darin geht es, wie der Titel besagt, um regionales Wirtschaften. Besonderes Augenmerk liegt in dieser Studie darauf, dass Merkmale und Eigenschaften früherer regionaler Versorgung erkannt und erforscht werden, um diese in moderner, aktueller Form in die neue Regionalentwicklung zu integrieren. Diese Herangehensweise geht davon aus, dass man nicht alles einfach machen kann. Denn lebendige Prozesse kann man nicht machen, man kann sie nur entdecken und fördern. Anders gesagt: Man baut hier auf bewährten regionalen Strukturen auf. Man muss ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Bei unserem Symposium am 20. Oktober 2019 wird die genannte Studie von zwei der Autoren, von Hiß und von Heistinger, vorgestellt werden. Dabei wird das Verhältnis angemessener Werkzeuge und Strukturen aus der Zeit vor der arbeitsteiligen Industrialisierung, in der die regionale Versorgung funktionierte, auf heutige Übertragungs-möglichkeiten hin neu gedacht. Diese Werkzeuge werden „funktionelle Eigenschaften“ genannt. Weiterlesen…

Entscheidung im Fall: Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung

Nachdem diese Woche ein klärendes Gespräch zwischen den Betroffenen und Verantwortlichen stattfand, ist zumindest die geplante Regelung außer Kraft gesetzt. Das heißt jedoch noch nicht, dass hier eine vernünftige Nachfolgeregelung gefunden wird. Es ist daher besonders wichtig, die weiteren Vorgänge genau zu beobachten und jeden weiteren Versuch in die Grundrechte der Bäuerinnen und Bauern einzugreifen, abzuwehren. Besonders auffallend war, wie schwierig sich die gesetzliche Interessensvertretung, unsere Landwirtschaftskammer, tut. Da die Genossenschaften per Statut in den Gremien sitzen, wird hier mit anderem Maß gemessen. Jede andere Produktionssparte könnte sich so eine Regelung mit ihren Lieferanten nicht annähernd erlauben. Daher ist es umso wichtiger, dass die Milchbäuerinnen und -bauern eine eigenständige Interessensvertetung haben und das ist, wie man in diesem Fall sieht, die IG-Milch.
 

Reaktionen aus den Medien zur aktuellen Presseaussendung und zum Offenen Brief

17.9.2019: topagrar.com: Ennstal Milch: Neues Direktvermarkterregime vorerst vom Tisch
Groß war der Wirbel um neue Regeln für direktvermarktende Lieferanten der Ennstal Milch. Nach einem klärenden Gespräch zwischen Molkerei, Bauern und der Bezirksbauernkammer kommen die angekündigten Regeln vorerst nicht.

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Bergeübung mit unserer Faironika

Die Freiwillige Feuerwehr in Schwarzenberg hat die heurige Bergeübung mit unserer Faironika durchgeführt.
Wir bedanken uns beim Pflichtbereichskommandanten Bernhard Eichinger für die Zusendung der tollen Bilder der Übung!

Klimaprotest: Woche für die Zukunft

Wann: 20. bis 27. September 2019

Wo: In ganz Österreich

Wir unterstützen gemeinsam mit einer ganzen Reihe anderer Organisationen den Klimaprotest.at und rufen zur Teilnahme an der Week for Future und den Earth Strike auf! Von 20. bis 27. September werden tausende Menschen aller Altersgruppen gemeinsam auf die Straße gehen und für eine lebenswerte Zukunft kämpfen! Das Highlight wird der Earth Strike am 27.9.: Weiterlesen…

Presseaussendung

IG-Milch: Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarkter

Eine böse Überraschung erlebten viele Bäuerinnen/Bauern, die ihre Milch an die Ennstal Milch liefern. Mit 1. Oktober soll eine neue Regelung für Direktvermarkter in Kraft treten, die jede Innovation und Initiative bestraft.

Auszug aus Rundschreiben Ennstal Milch KG:

„ …1. Regelmäßigkeit der Anlieferung: Anlieferungen in einem Monat unter 50 % der Höchstanlieferung des entsprechenden Monats werden als Unregelmäßigkeit eingestuft. In solchen Fällen wird ein Abzug von 5 ct/kg auf die gesamte Monatsmenge durchgeführt.

  1. Höchstmenge für die Direktvermarktung: Es dürfen max. 60.000 kg Milch (ab 80.000 kg Maßnahmen) verarbeitet werden. Wird diese Höchstmenge überschritten erfolgt als Maßnahme ein Abzug von 10 ct/kg auf die gesamte Jahresmenge (wurde bereits ein Abzug für unregelmäßige Lieferung einbehalten wird dieser gegenverrechnet). Auch die Feststellung der verarbeiteten Milchmenge wird gemeinsam durch die Hofberater mit dem Lieferanten getroffen. …“

Damit wird es unmöglich gemacht Wertschöpfung zurück auf den Hof zu holen und regionale Produkte zu erzeugen.

Die IG-Milch sieht da einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und einen direkten Zusammenhang mit Vorgängen in den letzten Jahren, wo Kritiker mit wirtschaftlicher Existenzvernichtung bestraft wurden. „Es ist kein Zufall, dass genau die Molkerei solch eine restriktive Regelung einführt, die vor Jahren gnadenlos gegen unseren Vorstand Michael Steiner vorgegangen ist, weil er es gewagt hat, den Geschäftsführer zu kritisieren“, so Ewald Grünzweil, Obmann der IG-Milch. „Durch den tragischen Verlauf wurde ein Exempel statuiert, das den abhängigen Milchlieferanten keine Möglichkeit bietet, dagegen vorzugehen. Die Ennstal Milch hat in ihrer Region eine absolut marktbeherrschende Stellung und nützt diese schamlos aus. Hier sind bei den verantwortlichen Funktionären der Hausverstand und der Anstand verloren gegangen. Daher haben wir uns als IG-Milch entschlossen, entschieden dagegen vorzugehen. Mit einer Anzeige bei der Bundeswettbewerbsbehörde und beim Kartellgericht möchten wir, verbunden mit einem offenen Brief an diverse Unternehmen, Organisationen und Ämter, eine Klärung herbeiführen. Sollte es bei dieser Regelung bleiben, wird es im Ennstal keine regionalen Milchprodukte, keine Innovationen am Milchmarkt und keine Wertschöpfungssteigerung auf den Höfen geben. Dies wäre ein fatales Signal und gegen alle Vernunft.“

Gerade der Tourismus und viele Konsumentinnen und Konsumenten aber auch die Handelsketten, suchen nach authentischen, handwerklichen und regionalen Produkten. Dieses Vorgehen der Ennstal Milch ist unseres Erachtens eine Missachtung der Erwerbsfreiheit, der bäuerlichen Selbstständigkeit und Schaffenskraft. „Es ist undenkbar in anderen Produktionssparten solche Regelungen einzuführen. Ob bei Rindern, Schweinen, Holz, Getreide – niemand würde die Produzenten dazu zwingen 20 bis 30 % des Monats- oder Jahresumsatzes der gesamten angelieferten Menge in Abzug zu bringen, falls ein Teil selber vermarktet wird. Es wäre auch das Ende regionaler Entwicklung und der Genussregionen.

Solch eine Vorgangsweise muss einer rechtlichen Klärung zugeführt werden um den Anfängen zu wehren, die aus selbstständigen Bäuerinnen und Bauern Sklaven der Milchindustrie machen“, so Ewald Grünzweil, Obmann der IG-Milch.

 

Bad Leonfelden, 11.9.2019

 

Rückfragehinweis:

Ewald Grünzweil, Obmann IG-Milch
0664 2023869
office@ig-milch.at
www.ig-milch.at

Ernst Halbmayr, Projektleiter A faire Milch
0664 9249635
halbmayr@aon.at

 

Rundschreiben Ennstal Milch

 

O-Ton Pressemappe:

11.9.2019  IG-Milch kritisiert Molkerei für „sittenwidrige Verträge“: Klagen werden geprüft

Ernst Halbmayr:
“Was sieht die neue Regelung vor?”

Ernst Halbmayr:
“Wie kommt es zu so einer Forderung?”

Ernst Halbmayr:
“Wie funktionieren Molkereien?”

Ernst Halbmayr:
“Was sind Ihre Wünsche?”

Ewald Grünzweil:
“Wieso empfinden Sie die Verträge als sittenwidrig?”

Ewald Grünzweil:
“Was sind die nächsten Schritte?”

 

 

Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ennstal Milch stellt sich gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung

 

Missstände in Molkereiwirtschaft treiben seltsame Blüten

Die von uns oft kritisierten Abhängigkeiten zwischen Milchlieferanten und Molkereien haben nun zu extremen Auswüchsen geführt, die es nötig machen entschieden dagegen vorzugehen. Noch immer gibt es bei der NÖM und bei der Berglandmilch Strafgebühren für ehemalige Freie Milch-Lieferanten. Nun hat nach der größten Molkerei Österreichs, der Berglandmilch, auch die Ennstal Milch neue Regelungen für Direktvermarkter beschlossen. Weiterlesen…

Einladung Pressegespräch

Die IG-Milch lädt zum Pressegespräch:

IG-Milch: Ennstalmilch stellt sich gegen Direktvermarktung und Regionalentwicklung

Missstände in Molkereiwirtschaft treiben seltsame Blüten             

 

Mittwoch, 11. September 2019,  10:30 Uhr

Café Museum
Operngasse 7 | 1010 Wien

 

Teilnehmer:

Ewald Grünzweil, Obmann IG-Milch

Ernst Halbmayr, Projektleiter A faire Milch

 

Ohne Wertschöpfung kein Selbstwert! – Beitrag aus der aktuellen IG-MilchPost

Ich war vor einigen Wochen bei einer Tagung in Linz. Veranstaltet wurde diese von dem Verein Landluft. Dieser Verein entstand aus einer ArchitektInnengruppe, die sich besonders dem ländlichen Raum verpflichtet fühlen. Das Resümee war erschütternd. Der ländliche Raum erfährt derzeit einen Niedergang ungeahnten Ausmaßes. Die Landflucht hält unvermindert an und wer sich nicht im Speckgürtel einer großen Stadt befindet, ist von Abwanderung bedroht. Besonders junge Frauen sehen für sich keine gute Perspektive am Land. Für gut ausgebildete motivierte innovative Frauen hat das Land kein entsprechendes Angebot. Das Abschluss-Referat, das von einem renommierten Universitätsprofessor gehalten wurde, war besonders intensiv und klar.

Eine seiner Kernthesen ist: Der Niedergang des ländlichen Raums steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Wertverlust der landwirtschaftlichen Produkte und damit der Entwertung des bäuerlichen Lebens.

Wenn es nicht gelingt das zu drehen, ist jede Initiative umsonst.

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Medienberichte

13.8.2019: falter.at: Die Melkroboter
Niedrige Preise, Überproduktion, übermächtige Genossenschaften: Viele Milchbauern sind in einer Tretmühle gefangen. Die Rebellen von der IG Milch machen jetzt nicht mehr mit

IG-Milch-Rebell Ernst Halbmayr: „Wie geschunden die Bauern daherkommen, müde und gefangen in dem furchtbaren System” (Foto: Heribert Corn)

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Agrarpolitischer Grundkurs der ÖBV – Winter 2019/20

Das System verstehen – aus dem Rahmen denken – gemeinsam aktiv werden!

Wer “macht” eigentlich Politik?  – Was hat Handelspolitik mit unserem Essen zu tun?  – Wie funktioniert die gemeinsame Agrarpolitik der EU?  – Wie können wir Lebensmittelpolitik demokratisch gestalten? – Wie kann ich aktiv werden?
Gemeinsam für kleinbäuerliche Landwirtschaft & gutes Essen für alle!

Cartoon: Much

Für wen? Der Kurs richtet sich an alle, die Interesse an Agrarpolitik haben. An alle, die für kleinbäuerliche Landwirtschaft, in der Bewegung für Ernährungssouveränität oder für gutes Essen für alle politisch aktiv bleiben oder aktiv werden wollen.

Termine: 4 aufeinander aufbauende Module á 2 Tage: Di, 26. Nov / Mi, 27. Nov 2019 im Innviertel (OÖ), Do, 16. Jän / Fr, 17. Jän 2020 in Graz, Mo, 10. Feb / Di, 11. Feb 2020 bei Amstetten (NÖ), Di, 3. März / Mi, 4. März 2020 bei Innsbruck (Tirol)

Anmeldung: Frühbucher-Bonus bei Anmeldung bis 15. Sept 2019, Anmeldeschluss: 15. Okt 2019

Anmeldung und Fragen: veranstaltung@viacampesina.at, Tel: 01 89 29 400

Weitere Infos: https://www.viacampesina.at/Veranstaltung/agrarpolitischer-grundkurs-2019/

Veranstaltet von: Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung (ÖBV – Via Campesina Austria)

In Kooperation mit: KSÖ – Katholische Sozialakademie Österreichs, ARGE Region Kultur, Kuli – Kultur Land Impulse, EBI – Eigenständige Bildungsinitiativen, FIAN – Mit Menschenrechten gegen Hunger, IG-Milch

Flyer der Veranstaltung

 

Gedanken zum Tierschutzvolksbegehren – Beitrag aus der aktuellen IG-MilchPost

Beginnt man bei den Landwirten über Tierschützer zu reden, sollte man möglichst schnell in Deckung gehen, weil man sofort den Zorn, den Frust, den Ärger von uns Bauern über ihre täglichen Probleme abbekommt. Die Tierschützer scheinen das Hauptübel unserer ganzen Probleme in der Nutztierhaltung zu sein. Schließlich wird bei uns Bauern noch immer die über Generationen gewachsene Würde weitergegeben, dass bei uns noch immer der Deal zwischen Bauer und Tier gilt: „Ich gebe dir Schutz und Futter und du gibst mir bald einmal dein Fleisch!“
Und jetzt kommen „Vegane Träumer“ daher, verurteilen unsere Nutztierhaltung, beschimpfen uns Bauern als Tierquäler und  Umweltzerstörer und rufen die Konsumenten zum totalen Fleischverzicht auf. Sie wollen uns beweisen, dass es möglich ist, so die Welt zu retten, indem sie es uns vorleben, vergessen dabei aber auf ihren Hund. Er frisst täglich bestes Fleisch aus wohlportionierten Plastikbechern. Nur das Hundefutter (sowie diverse Flugreisen) hauen den Weltverbesserern ihre sonst so gute Ökobilanz zusammen. Also warum sollen wir Bauern uns mit diesen Leuten zusammensetzen und uns mit dem Tierschutzvolksbegehren auseinandersetzen?
Es gibt nur eine Antwort darauf: Weil es uns Bauern betrifft. Und zwar tagtäglich.
Die eine Seite unserer modernen Nutztierhaltung betreffen die Probleme der Massentierhaltung (auf die wir in Österreich durch den  wirtschaftlichen Druck auch schrittweise und schleichend zusteuern), der Überdüngung, der Zerstörung von ganzen Ökosystemen, dem Klimawandel durch unsere grenzenlose Teilnahme am Welthandel. Diesen Tatsachen müssen wir uns stellen, weil sie für uns Bauern ganz gravierende wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Die andere Seite der Folgen unseres derzeitigen landwirtschaftlichen Systems erlebe ich bei vielen Diskussionsveranstaltungen und in meinem täglichen Umfeld. Das Bauernsterben, Frust und Hoffnungslosigkeit, eine Zerstörung der Würde unseres Berufsstandes liegt wie dichter Nebel über unseren Bauernfamilien. In einem Ausmaß, wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt habe (wobei ich unseren bäuerlichen Vertretern zu Gute halten muss, mit welchem Eifer sie dieser Entwicklung dagegenhalten. Mit Milchköniginnen bis zur Erdäpfelprinzessin vesuchen sie diesen Nebel zu vertreiben).
Wie stolz sind wir, wenn wir ein Kalb, einen fertig gemästeten Stier, eine Kuh in perfekter Qualität zum Verkauf anbieten können. Und wie groß ist der Frust, weil wir nicht den erhofften Preis dafür bekommen, weil wieder einmal der Markt mit ausländischem Vieh überschwemmt wird und gleichzeitig zu wissen, mit welchen Qualen diese Tiere transportiert werden. Sollten Tierprodukte aus dem Ausland (Käfigeier,  ukrainische Hühner aus Mastfabriken) billiger sein als österreichische Lebensmittel? Sollte es erlaubt sein, Tierqualprodukte bei uns zwar zu verbieten, sie aber gleichzeitig aus dem Ausland nach Österreich zu importieren? Sollten (EU-) Subventionen sich rein nach der Größe der Betriebe richten und nicht primär nach Kriterien von Tierwohl, Qualität und Umweltverträglichkeit? Sollte es wirklich günstiger sein,  Milchkälber quer durch Europa bis ins EU-Ausland zu karren und stattdessen hochgezüchtete Milchkälber aus den Niederlanden zu importieren? Gibt es dazu keine Alternative? Unsere Bauernfunktionäre reden uns ein, was für ein tolles Geschäft das Exportieren österreichischer Lebensmittel und Lebendtiere in die ganze Welt für uns Bauern ist. Bei der Abschaffung der Milchmengenregelung wurde uns eine rosige Zukunft prophezeit und das beste Geschäft aller Zeiten vorhergesagt. Aber das „große Fressen“ scheint alle (Industrie, Handel, Molkereien) satt zu machen, nur nicht uns Bauern!

Dieser Beitrag stammt aus unserer aktuellen Zeitschrift:

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