Tips Leserbrief “Wirren der IG-Milch” oder verwirrte Landwirtschaftskammer – Richtigstellung zu einer Presseaussendung der Bezirksbauernkammer Waidhofen

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer

„Wirren der IG Milch“ oder verwirrte Landwirtschaftskammer. Der ehemalige Geschäftsführer Freie Milch Austria und Mitbegründer der IG Milch Ernst Halbmayr stellt richtig. Foto: Karin Novak

 
Karin NovakKarin Novak, Tips Redaktion, 10.10.2019 08:08 Uhr
 

WAIDHOFEN/YBBS. Anlässlich der Hofübergabe bei der Bezirksbauernkammer Waidhofen/Ybbs von Klaus Hirner an Mario Wührer (Hier geht’s zum Artikel https://www.tips.at/nachrichten/waidhofen-ybbs/land-leute/481563-hofuebergabe-in-der-bezirksbauernkammer-waidhofen-ybbs-wuehrer-folgt-hirner) erreichte uns der folgende Leserbrief von Ernst Halbmayr:

Mit einiger Verwunderung las ich den Artikel mit dem Titel „Hofübergabe in der Bezirksbauernkammer Waidhofen an der Ybbs“. Auf Nachfrage bei der verantwortlichen Redakteurin gab mir diese bekannt, dass dies eine Presseaussendung der Bezirksbauernkammer Waidhofen sei, die von der Redaktion mit Fotos übernommen wurde.

Zum scheidenden Kammerobmann

Nun werden in diesem Artikel die besonderen Verdienste des scheidenden Kammerobmannes Klaus Hirner bezüglich der Biomilch Lieferanten im Ybbstal gepriesen.

Zitat:
„Als 2009 ca. 150 Biomilchbauern ohne Abnehmer dastanden, organisierte er mit einigen selbst betroffenen Milchbauern unter Beistand der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer die Gründung einer Auffanggenossenschaft. Dadurch war es möglich, dass alle in den Wirren der IG-Milch-Bewegung gestrandeten Bio-Milchbauern in der NÖM wieder einen Abnehmer fanden und so erst die Milchlieferung wieder aufnehmen konnten. Heute sind alle Betriebe, die wieder über eine Genossenschaft Milch liefern wollten, dort wieder gut aufgehoben.“

Richtigstellung

Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen und erfordert eine Richtigstellung. Die Biomilch Lieferung im Kammergebiet Waidhofen an der Ybbs hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die hohe Anzahl an Biobetrieben war ein Ansporn für eine Biomilch Vermarktung, die sich jedoch nach dem Scheitern der Molkereigenossenschaft Waidhofen als schwierig darstellte. So waren die Biobetriebe gezwungen mehrmals die Molkerei zu wechseln.

Vertrag mit Molkerei Seifried aus Aspach

Als die Molkerei Seifried in Aspach in Oberösterreich mit Bio ESL Milch im Lebensmittelhandel sehr erfolgreich war, nahm diese alle Biobetriebe in Waidhofen unter Vertrag. Daraus hat sich eine jahrelange gute Zusammenarbeit entwickelt. Ende 2008 wurde die Molkerei Seifried jedoch durch österreichische Genossenschaftsmolkereien aus dem Regal gedrängt und fand keine Ersatzprodukte, sodass Herr Seifried gezwungen war, alle Biomilch Lieferanten zu kündigen. Es war daher nicht die IG Milch dafür verantwortlich, sondern das gegenseitige unterbieten der Molkereien beim Lebensmittelhandel. Die Molkerei Seifried hat sich jedoch bereit erklärt, bis zur Übernahme aller Betriebe durch eine andere Molkerei, die Milch weiterhin abzunehmen. Als sich monatelang keine Molkerei bereit erklärte, die Biomilch Lieferanten aufzunehmen, hat sich die 2008 gegründete Milchvermarktungsfirma Freie Milch Austria GmbH bereit erklärt, die Lieferanten zu übernehmen. Über Nacht war dann auch ein Angebot der Nöm AG auf dem Tisch, das gemeinsam mit dem Agrarlandesrat und der Bezirksbauernkammer präsentiert wurde. Circa ein Drittel der Betriebe hat das Angebot der Freien Milch Austria angenommen, der Rest hat sich für die Nöm AG und deren Vorfeldorganisation Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) entschieden.

Forderung nach Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft

Daher sind nicht die „Wirren der IG Milch“ für die Vorfälle verantwortlich und es musste auch niemand die Milchproduktion einstellen, wie es im Artikel angedeutet wird „… und so erst die Milchlieferung wieder aufnehmen konnten …“. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass diese Falschinformation von der Bezirksbauernkammer Waidhofen kommt und durch die Pflichtmitgliedschaft bei der Landwirtschaftskammer die Beiträge von Bäuerinnen und Bauern dazu verwendet werden, gezielt falsche Informationen zu verbreiten, um andere zu diskreditieren. Dies heißt auch, dass sich die Landwirtschaftskammer dafür entschuldigen muss oder die Pflichtmitgliedschaft abgeschafft wird.

Düstere Prognose

Die Landwirtschaftskammer sollte ihre Energie dazu verwenden, die Fehlentwicklungen nüchtern zu analysieren und eine zukunftsträchtige Ausrichtung zu entwickeln. Dazu gehört eine selbstkritische Betrachtung und eine vernünftige Gesprächsbasis mit Andersdenkenden. Gelingt es nicht, wird das Bauernsterben unvermindert weitergehen mit dramatischen Folgen auch für das Ybbstal.

Ernst Halbmayr (ehemaliger Geschäftsführer Freie Milch Austria und Mitbegründer der IG Milch) 

Schaidlberg 12

3352 St. Peter/Au

 

Schreibe einen Kommentar