64,13 Cent ist fairer Preis für Bio-Milcherzeuger

Laut MEG Milch Board fehlen Biomilcherzeugern 17,46 Ct zur Kostendeckung. Investitionen in die Zukunft seien damit nicht möglich.

17.11.2020 topagrar.com: von Kirsten Gierse-Westermeier

Frank Lenz
Frank Lenz, 1. Vorsitzende der MEG Milch Board, stellt fest, dass unter anderem auch Biomilchprodukte in Deutschland viel zu billig sind und dass eine nachhaltige und sozial verträgliche Biomilchproduktion einen höheren Milchpreis für die Produzenten voraussetzt. (Bildquelle: MEG Milch Board)

Die MEG Milch Board beschäftigt sich mit der Frage, ob der Biomilchpreis ein fairer Milchpreis ist und lässt die Biomilcherzeugungskosten in regelmäßigen Abständen auf wissenschaftlicher Basis berechnen.Tabelle

Nach Erhebungen der MEG Milch Board seien nur 73 % der Biomilcherzeugungskosten gedeckt. (Bildquelle: MEG Milch Board )

Das Ergebnis: Die Biomilcherzeuger müssten 64,13 ct/kg Milch erhalten, wenn alle Kosten eingerechnet werden würden. Die Molkereien zahlen im Bundesschnitt aktuell aber nur 47,17 ct/kg aus. Die Unterdeckung beträgt 27 % oder knapp 17 Cent. Viel Geld, welches auf den Betrieben fehlt, um in eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Milchproduktion zu investieren, wie es in der Pressemitteilung der MEG Milch Board heißt.

Erzeugungskosten gestiegen

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bio-Milchmarkerindex (MMI) um zwei Punkte auf einen Wert von 97. Das entspricht 1,20 Cent, heißt es in dem Schreiben. Seit dem Wirtschaftsjahr 2015/16 (Basis = 100) sanken die Erzeugungskosten um drei Punkte. Der höchste Kostenstand liegt weiterhin im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 104 Indexpunkten.Übersicht

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bio-Milchmarkerindex (MMI) um zwei Punkte auf einen Wert von 97. (Bildquelle: MEG Milch Board )

Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2018/2019 haben sich die Kosten für den allgemeinen Betriebs- und Materialaufwand insgesamt kaum verändert, die höchsten Ausgaben hatten die Biomilchviehbetriebe nach Angaben der MEG Milch Board wie auch im Vorjahr für Futter, Abschreibungen, Energie sowie Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen. Der Einkommensansatz für die Bio-Milchbauern und –bäuerinnen lag bei 24,53 Cent, er beruht auf den aktuellen landwirtschaftlichen Tarifen, erklärt die MEG Milch Board.

Nur 73 % der Kosten gedeckt

Die Einnahmen aus den Direktzahlungen und Zuschüssen (ohne sonstige Zahlungen aus den Agrarumweltmaßnahmen, aber mit der Bioprämie) betrugen 13,55 ct/kg. Im Jahr 2019/20 betrug der Auszahlungspreis für Biomilch 47,17 ct/kg und deckt damit nur 73 % der Erzeugungskosten, heißt es weiter. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre lagen die Erzeugungskosten nach Abzug der Direktzahlungen und der Bioprämie bei 64,79 ct/kg und die Unterdeckung bei 26 %. Mit dem Berichtsjahr 2020 wurde der Bio-MMI auf Basis der neuesten Daten zur wirtschaftlichen Lage der Biomilcherzeugungsbetriebe (Testbetriebsnetz) und zur Preisentwicklung bei den wichtigsten Betriebsmitteln (AMI, Destatis) berechnet. Das bisher veröffentlichte Trendergebnis vom Wirtschaftsjahr 2018/2019 verliert seine Gültigkeit.

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