EMB-Newsletter, Dezember 2011

Download: EMB Newsletter Dezember 2011

Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern, liebe Interessierte,

alle Mitgliedsorganisationen und der Vorstand des European Milk Board (EMB) haben in den letzten Wochen und Monaten viele Gespräche mit EU-Parlamentariern geführt und diesen die Realität auf den Höfen sowie die Positionen des EMB erläutert. Es ist traurig festzustellen, dass die meisten von ihnen in einer völlig anderen Welt, sehr fern der bäuerlichen Realität leben und denken. Fast alle Parlamentarier sind dennoch recht offen und dankbar, in direkten Kontakt nicht nur mit Landwirten aus dem eigenen Land, sondern auch aus anderen europäischen Ländern zu kommen.
Ich selber habe diese Form des Kontaktes mit den Parlamentariern bis vor einigen Monaten für überflüssig gehalten. Und gerade ich, der ich Lobbyisten immer heftig kritisiert habe, habe nun feststellen müssen, dass diese Gespräche nicht zu führen, bedeutet, der COPA, den Konzernen und insbesondere auch den Molkereien das Feld zu überlassen. Die Politiker müssen durch uns erfahren, dass diese Organisationen nicht die Interessen der Landwirte vertreten. Dass sie vielmehr daran interessiert sind, uns Landwirte in eine dauerhafte Abhängigkeit zu bringen.
In den letzten Wochen hat der EMB-Vorstand auch Gespräche mit den Landwirtschafts-ministerInnen der tschechischen Republik, Luxemburgs, Belgiens, Deutschlands und Polens geführt. Wir haben deutlich gemacht, dass wir in Zukunft kostendeckende Preise brauchen, und dass die Steuerung des Milchmarktes (entsprechend des EMB-Konzeptes) hierfür unabdingbare Voraussetzung ist. Besonders erschreckt hat mich die schwache Position der deutschen Agrarministerin Frau Aigner. Sie scheint überzeugt, dass die deutschen  Landwirte europaweit super aufgestellt sind. Und ich hatte den Eindruck, dass nicht sie, sondern ihre Staatssekretäre die deutsche Agrarpolitik bestimmen.
Ich habe insgesamt feststellen müssen, dass viele Minister viele unserer Positionen stützen, aber nicht bereit sind, öffentlich entsprechend Position zu beziehen. Dies scheint mir symptomatisch für die gesamte europäische Politik zu sein. Mir ist klar geworden, dass wir auch aus diesem Grunde  immer wieder Aktionen (wenn auch nur symbolische) machen und so den Druck auf die Politik verstärken müssen. Wenn ein Lars Hoelgard, wie bei der Mitgliederversammlung der IG-Milch in Österreich geschehen, öffentlich verkündet, dass ein Großteil der Milcherzeuger in Dänemark pleite ist, so ist dies doch ein klares Zeichen dafür, dass die Politik einer Fischer-Boel, eines Rasmussen und eines Hoelgard gescheitert ist.
Der Vorstand des EMB wird weiter im Namen der Landwirte kämpfen und ich bin mir sicher, dass wir weiterhin auf Eure Unterstützung zählen können. Eines sollte jedem klar sein: Egal, welche Entscheidungen innerhalb der nächsten Monate in Bezug auf das Milchpaket und die Marktordnung der neuen GAP in Brüssel getroffen werden, erst 2015 wird zeigen, welchen Weg die EU-Milchpolitik und damit auch die Milcherzeugung in Europa einschlagen. Wir werden unseren Kampf kontinuierlich und konsequent fortsetzen und wenn nötig auch wieder massiv mit Aktionen  in Brüssel auftreten.
Ich wünsche Ihnen und Euch Frohe Dezembertage,
Mit herzlichen Grüssen,

Erwin Schöpges, EMB-Vorstand
Gelungene Aktionen: „Butterberge nicht verramschen, sondern vermeiden“

Über 60 Bäuerinnen und Bauern sind am 29.11.2011 an die deutsch-schweizerische Grenze in Basel gekommen, um zu zeigen, dass man beiderseits der Grenze gegen das Exportdumping von Butter ist. Anlass war ganz konkret die Verschiebung von fettreduzierten Butterprodukten aus der Schweiz nach Deutschland und Frankreich.
Die Schweizer Erzeuger zahlen hierbei doppelt: mit niedrigen Preisen für ihre Milch und zusätzlichen Pflichtabgaben für die Exportsubventionierung. In den EU-Ländern, aber auch weltweit, können diese zusätzlichen Mengen für Verzerrungen auf schon überlasteten Märkten sorgen und so den Druck auf die Erzeugerpreise erhöhen. Ursache dieser Missstände sind in der Schweiz und in der EU vor allem die Überproduktion d.h. das Fehlen einer effektiven Steuerung der Milchmenge in Erzeugerhand.
Samuel Spahn von Uniterre, EMB-Mitglied, das die Aktion von Schweizer Seite aus angestoßen hatte: „Der Handel mit Billigbutter schadet den Produzenten beiderseits der Grenze, deshalb müssen wir gemeinsam handeln. Diese symbolische Aktion verdeutlicht das Problem sehr gut.“
In der Schweiz funktioniert die Organisation des Milchsektors durch die Branchenorganisation Milch (BOM) heute überhaupt nicht, erläutert er weiter und ist sich an diesem Punkt einig mit seinem Kollegen Martin Haab von BIG-M. Aufgrund einer Entscheidung des Bundesrates ist es jetzt nicht, wie von beiden Verbänden gefordert, möglich die Milchmenge auf der Erzeugungsebene zu steuern, sondern nur die Übermengen mit Pflichtabgaben der Erzeuger zu exportieren. Der Preisdruck ist angesichts der weiter bestehenden Überproduktion unvermindert hoch und über eine Segmentierung des Milchpreises ist es den Verarbeitern gelungen, den Preis ganz regelgerecht weiter zu drücken. So will die Molkerei Emmi ab 2012 nur noch für 65% der Milch den normalen A-Preis bezahlen, für 25% den niedrigeren B-Preis und den Rest als C-Milch behandeln. Doch wie kann die Molkerei schon heute wissen, wie die Vermarktungssituation, die die Segmentierung bedingt, in 2012 aussieht?!!
Das Export-Import-Geschäft läuft gut – doch für wen?

„Gute holländische Butter! Kaufen Sie! Billiger und besser als die Schweizer Butter“, so rief der Pseudo-Milchhändler aus den Niederlanden immer wieder. Und der Emmi-Geschäftsführer führte neben vielen Banknoten auch ein Schild mit der Aufschrift „Schweizer Produkte lassen sich gut auf den EU- und Weltmärkten verkaufen“ spazieren. Natürlich war auch der Milchhändler mit  Deutscher Markenbutter mit von der Partie. Man verstand sich gut unter Geschäftsleuten und schacherte vergnügt mit dem falschen Zollbeamten.
Die Schweizer Butter wurde auf die deutsche Seite der Grenze gebracht, dort standen dann die deutschen Bäuerinnen und Bauern mit großen Schildern, nahmen die Butter und brachten sie zurück in die Schweiz. Ulrike Minkner von Uniterre: „Wir brauchen eine Mengensteuerung in Erzeugerhand, welche eine nachfrageorientierte und kostendeckende Milcherzeugung ermöglicht. In der Schweiz und in der EU. Und wir zeigen heute mit dieser Aktion, dass dass wir uns nicht gegenseitig in Konkurrenz stellen lassen.“ Die Schilder sprachen deshalb: „Für marktgerechte Mengensteuerung in Produzentenhand“ – „Gegen Exportdumping und organisierte Überproduktion“ – „Gegen die Milchpreissenkungen – für faire Preise“. Franz Schweizer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) kommentierte: „Das war eine sehr gute Aktion mit viel Medieninteresse, ich freue mich über diese tolle solidarische Gemeinschaftsleistung.“
Auch in Genf machten Erzeuger von den Schweizer Verbänden Uniterre und BIG-M und der französischen APLI eine erfolgreiche Aktion an der Grenze. Sie stoppten für kurze Zeit den Autoverkehr und hielten eine Pressekonferenz mitten auf der Fahrbahn ab. Das Interesse der Medien war ebenfalls groß. Ulrike Minkner von Uniterre fasste den Tag zusammen: „Ich freue mich schon auf die nächste gemeinsame Aktion mit den deutschen und französischen Bäuerinnen und Bauern von AbL, BDM, APLI und Confédération Paysanne. Denn die heutige war rundum gelungen.“

Sonja Korspeter, EMB

Interessen der Milcherzeuger im neuen Milchpaket auf’s Abstellgleis verbannt

Einigung zum Milchpaket on EU-Kommission, Parlament und Ministerrat ignoriert die Situation der Milcherzeuger komplett.
„Die europäischen Milcherzeuger sind sehr enttäuscht!“, äußert sich Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board (EMB), zu den aktuellen Ergebnissen der Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Ministerrat bezüglich der Milchmarktreform. Das Ziel einer Stärkung der Produzenten würde durch diese Beschlüsse weit verfehlt.
Wenn Verträge zwischen Erzeuger und Molkerei nicht EU-weit verpflichtend sind, sondern jedes Land selbst entscheidet, ob es sie verpflichtend einführt oder nicht, dann kann die Position der europäischen Produzenten am Markt einfach nicht verbessert werden“, so Schaber. Und da die politischen Beschlüsse vom 6.12. zudem vorsehen, dass Mitglieder von Genossenschaften schon von vornherein keine Verträge abschließen dürfen, würden insbesondere Molkereigenossenschaften hier weiterhin gnadenlos die Preise drücken können.
Auch die Bündelung der Erzeuger, um gemeinsam gegenüber Molkereien zu verhandeln, auf 3,5 Prozent (europäische Ebene) und 33 Prozent (nationale Ebene) zu begrenzen, sei extrem problematisch. Denn der Marktanteil vieler Molkereien übersteige diese Bündelungsgrenzen bereits heute um ein vielfaches. Mit diesen Molkereigiganten müssten die klein gehaltenen Erzeugerorganisationen dann ohne wirkliche Marktmacht verhandeln.
„Die Vorschläge des EU-Parlamentes haben bei diesem so genannten Kompromiss mit Kommission und Ministerrat unglaublich viele Federn lassen müssen“, meint Schaber weiter. Denn neben einer höheren nationalen Bündelungsgrenze von 40 Prozent der nationalen Milchmenge und den EU-weit verpflichtenden Verträgen finde sich auch die von den Parlamentariern ursprünglich vorgeschlagene Monitoringstelle so nicht in den endgültigen Beschlüssen der drei EU-Institutionen wieder.
Dass laut Kompromiss bei Käse, der mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) oder geschützter geographischer Angabe (g.g.A.) hergestellt wird, eine Angebotsregulierung möglich sein soll, sei leider nichts weiter als ein Feigenblatt. „Eine Angebotsregulierung muss für den gesamten Milchmarkt gelten, sonst rast jener – sonst rasen insbesondere die Erzeuger – ungebremst der nächsten Krise entgegen. «, so Schaber zu diesem Teil des Milchpaketes.
Mitte Februar wird das EU-Parlament noch über das jetzt vorliegende Milchpaket abstimmen.

Aus: Presseerklärung des EMB vom 7.12.2011


600 Milcherzeuger bei der Jahresversammlung der IG-Milch

Am Samstag, den 19. November 2011 präsentierte IG-Milch-Vorsitzende Erna Feldhofer, nach der einjährigen Führung des Vereins, ihren Tätigkeitsbericht des letzten Jahres. Neben den Berichten über die zahlreichen Kundgebungen und Protestaktionen in Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz wurden die etwa 600 Besucherinnen und Besucher noch über die Freie Milch Austria und die geplante Ausweitung der Produktpalette rund um „A faire Milch“ informiert. Neben „A faire Milch“ soll es nun auch bald „A faire Butter“ im Supermarkt geben.
Doch zum spannendsten Teil dieses Vormittages zählten wohl unbestritten die Referate zum Thema „Europäischer Milchmarkt nach 2015″, die von Herrn Lars Hoelgaard und Herrn Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf gehalten wurden. Zwei Ansichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, waren die Grundlage für die anschließende, rege Diskussion: Hoelgaard, der sich gerne provozierend in Szene setzt, wies abermals darauf hin, dass durch Erzeugergemeinschaften in Zukunft der Preis reguliert werden müsse und die Quote fallen werde.
Graefe zu Baringdorf rüttelte in seiner Rede die Bäuerinnen und Bauern, die aus ganz Österreich zu dieser Veranstaltung nach Leonding gekommen waren, wach, und mahnte, dass jeder sein Schicksal selbst in die Hand nehmen müsse. Er gab zu verstehen, dass der Bauernmilchpreis nur über eine Mengenregulierung zu sichern sei.
Romuald Schaber, Präsident des European Milk Boards (EMB), berichtete über die  intensive Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und darüber, dass zurzeit eine Kampagne zu einem Volksbegehren in Europa überlegt wird. Sie soll den EU-Bürgern den Nutzen und die Notwendigkeit eines Mengenmanagementsystems mit Monitoringstelle erklären und viele 100.000 Unterschriften für eine vertiefte Auseinandersetzung des EU-Parlamentes mit der Thematik sammeln.
Am Ende der Diskussion wurde Herrn Hoelgaard eine rote Laterne – Sinnbild für den „Tabellen-Letzten“ – durch Herrn Schöpges, MIG-Vizepräsident und EMB-Vorstandsmitglied, überreicht.
Aus: Presseerklärung der IG-Milch vom 21.11.2011

„Es liegt an uns, den Kampf fortzusetzen, um letztlich erfolgreich zu sein…“

Bei großer Versammlung des französischen Office du lait in Frankreich waren sich französische und europäische Milcherzeuger darüber einig, weiter für faire Milchpreise aktiv zu sein
Nicht alle haben an diesem 22. November einen Sitzplatz gefunden. Eine große Menschentraube drängt sich noch an den Türen hinter den Sitzreihen – und auch die eilig herbei getragenen Zusatzstühle reichen nicht aus, damit alle sitzen können. 900 Milcherzeuger sind heute nach Avranches in Frankreich gekommen, um bei der Versammlung des Office du lait – einer Branchenorganisation, die von den französischen Milcherzeugern ins Leben gerufen wurde – dabei zu sein. Das Ziel des Office du lait ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der alle Akteure des Marktes auf Basis kostendeckender Milchpreise zusammenarbeiten. Momentan sind Erzeuger und Verbraucher die treibende Kraft.
Aller Augen sind vorn auf die Tribüne gerichtet als Paul de Montvalon, Präsident des Office du lait, spricht. Bis in den Morgen des 22.11.2011 hinein haben er und seine Vorstandskollegen die heutige Veranstaltung vorbereitet. Seine Augen sind aufgrund des mangelnden Schlafs vielleicht ein wenig kleiner als sonst, er selbst aber ist hellwach, als er die Teilnehmer, die aus allen Ecken Frankreichs angereist sind, begrüßt. „Es ist beeindruckend, dass heute so viele gekommen sind. Wenn wir fortfahren so entschlossen zusammenzuarbeiten, wird der Respekt der Molkereien vor der Kraft der Erzeuger weiter wachsen.“ Dafür müsste man sich sowohl im Office du lait, aber auch in den Organisationen, die die Position der Milcherzeuger vor der Politik vertreten – wie beispielsweise in der APLI (Association Nationale des Producteurs de Lait Indépendants) und der OPL (Organisation des Producteurs de Lait) – aktiv engagieren. „Es liegt an Euch; es braucht uns alle, um den Kampf fortzuführen und um letztlich erfolgreich zu sein und kostendeckende Preise zu erzielen“, so Paul de Montvalon.
Auch der Präsident der spanischen Milcherzeugerorganisation OPL (Organización de Productores de Leche), Fernando Sainz de la Maza, Erwin Schöpges von der belgischen MIG (Milcherzeuger Interessengemeinschaft) und Vorstandsmitglied des European Milk Board (EMB) sowie Alice Endres – Vertreterin der deutschen MEG Milchboard – sind nach Avranches gekommen. Als Repräsentanten des deutschen Milcherzeugerverbandes BDM sind Adolf Gerke und Claus Krudop vor Ort. „Es geht einem das Herz auf, heute so viele Menschen hier zu sehen, die das Office du lait unterstützen“, freut sich Alice Endres während sie den Blick über die Menge schweifen lässt. Als die Vertreterin der MEG Milchboard wenig später oben auf dem Podium spricht, wird sie allerdings sehr ernst, während sie auf die fehlende Unterstützung der Molkereigenossenschaften für die Erzeuger eingeht: „Genossenschaften wurden damals gegründet, als es den Milchbauern ähnlich dreckig ging wie heute. Ich frage mich aber, wo sind die Genossenschaften jetzt – auf wessen Seite stehen sie? Nicht auf unserer!“ Ein gemeinsames Verhandeln der Erzeuger gegenüber den Molkereien sei das Ziel, das alle verfolgen sollten. „Die Milch muss vor der Molkerei gebündelt und verhandelt werden, damit die Verarbeiter gezwungen sind, einen fairen Preis zu zahlen“, sagt Alice Endres bevor sie den französischen Kollegen die Frage stellt: „Seid ihr bereit mit uns zusammen aktiv zu sein und zu kämpfen?“ 900 mal „Oui„ und tosender Applaus sind die Antwort.
Als Erwin Schöpges von der belgischen MIG gegen Ende der Veranstaltung auf die Tribüne kommt, gratuliert er den französischen Bäuerinnen und Bauern für die erfolgreiche Versammlung: „Das heute hier ist weit wichtiger als manch einer vielleicht denken mag. Wir Erzeuger lassen alle zusammen nicht locker. Wenn die Entscheidungen in Europa nicht fair sind, dann werden wir wieder laut und machen starke Aktionen. Auf dem Land und in den Städten!“
Nach acht Stunden intensiver Diskussion über die Zukunft der Milcherzeugung endet die Versammlung am späten Nachmittag. Der Präsident des Office du lait, Paul de Montvalon, geht danach noch einmal durch den leeren Saal, die Augen auf sein Handy gerichtet – er ist schon wieder ganz ins Organisieren vertieft. Mit dem heutigen Tag ist er sehr zufrieden. „Es gab Skeptiker, die meinten, dass wir froh sein können, wenn überhaupt 200 Leute kommen. Na ja, mit 900 waren das dann ja wohl doch ein paar mehr“, lächelt er. Draußen vor dem Versammlungssaal dämmert es mittlerweile schon. Doch viele Bauern stehen noch vor dem Gebäude und diskutieren angeregt. Der Tag ist noch lange nicht zu Ende für sie.
Angebotssteuerung im US-amerikanischen Milchmarkt?

Neuer Gesetzesvorschlag erfüllt diese Anforderung nicht im Sinne vieler Erzeuger
Schon seit 2007 schlagen einzelne Bauernorganisationen in den USA immer wieder die Einrichtung einer Mengensteuerung am Milchmarkt durch die öffentliche Hand vor. Angesichts der großen Preisschwankungen am amerikanischen Milchmarkt und den daraus resultierenden Einkommensproblemen für die Milcherzeuger nehmen inzwischen auch Erzeugergenossenschaften und traditionelle Bauernverbände das Wort Angebotssteuerung in den Mund. So Randy Mooney, Milcherzeuger aus Missouri und Präsident der Vermarktungsgenossenschaft Dairy Farmers of America: „Wir können weiter wachsen und die Welt mit unserer Milch versorgen solange wie die US Milchwirtschaft das will, aber wir brauchen ein System, das das Angebot an die Nachfrage anpasst und die Erzeuger darin unterstützt, in einem Bereich zu bleiben, in dem die Erzeugung profitabel ist.“
Neuer Gesetzesvorschlag in der Diskussion
Seit dem Sommer 2010 wurden bereits mehrere Vorschläge, wie eine Form von Milch-Mengenregulierung in die zukünftige US-amerikanische Agrarpolitik einfließen kann, im Repräsentantenhaus und Senat diskutiert. Am 13. Juli 2011 brachte Collin C. Peterson, Mitglied der Agrarkommission des Repräsentantenhauses den Gesetzesvorschlag House Dairy Security Act of 2011 (HR3062) in die Diskussion. Er basiert auf dem Konzept „Foundation for the Future (FFTF)“ der National Milk Producers Federation (NMPF), dem Dachverband der  Genossenschaften für die Vermarktung der Milch. Diese betreiben eine intensive Lobbyarbeit für ihr Konzept und inzwischen sind FFTF und HR3062 im Milchsektor bekannt und werden allerorts diskutiert. Die Bandbreite der Reaktionen ist sehr gross. Während einige einflussreiche Politiker, die Mitglieder von NMPF und ein Teil der traditionellen Bauernverbände den Reformvorschlag unterstützen, sind viele Bauernorganisationen skeptischer und die Milchindustrie scheint das Konzept in seiner vorliegenden Form auch abzulehnen.
Staatliche und private Margenversicherung
Der Dairy Security Act will ein besseres Sicherheitsnetz schaffen und das bestehende Milchpreissystem, das zwischen verschiedenen Verarbeitungsarten der Milch unterscheidet, reformieren.  Das neue Sicherheitsnetz soll aus einem Margen-Schutz-Programm (DPMPP) und einem Milch-Markt-Stabilisierungsprogramm (DMSP) bestehen. Das Margen-Schutz-Programm ist eine Art staatlich gestützte Risikoversicherung. Jeder Erzeuger bekommt aufgrund seiner Jahres-Höchstliefermenge innerhalb der letzten drei Jahre eine Grundmilchmenge zugeteilt, die für die fünf -jährige Dauer des Programms Gültigkeit hat. Wachstum ist möglich. Wenn die durchschnittliche  Marge zwischen dem nationalen Durchschnittsmilchpreis und den durchschnittlichen Futterkosten für 80% der Produktionsmenge eines Erzeugers unter die 4 Dollar – Marke (aktuell etwa 2,85€) je 45kg Milch rutscht, dann erhält der an dem Programm beteiligte Milcherzeuger eine Zahlung aus dem Katastrophenfonds. Er soll außerdem die Möglichkeit haben und wird vermutlich sogar darauf angewiesen sein,  diese staatliche Versicherungsleistung durch private Beiträge zu erhöhen.
Weniger Geld bei weniger Nachfrage
Erzeuger, die am DPMPP teilnehmen, sind automatisch auch im Milch-Markt-Stabilisierungsprogramm (DMSP). Ziel dieses Programms ist es, sehr rasch und punktuell auf ein Überangebot an Milch zu reagieren und mittels Sanktionen in Form niedrigerer Preise die Produktion zu senken. Als Maßstab für die Entwicklung der Nachfrage dient auch hier die Entwicklung der Marge zwischen Milchpreis und Futterkosten. Ist die Marge beispielsweise über zwei aufeinanderfolgende Monate niedriger als 6$ (4,3€), erhalten die Erzeuger mindestens für die folgenden zwei Monate nur für 98% ihrer Grundmilchmenge eine Bezahlung; die Einkommensreduktion darf maximal 6% in Bezug auf ihre laufenden Liefermengen betragen.  Bestandteil des Programms soll außerdem ein „Producer Board“ sein, das zusätzliche Absatzmärkte im In- und Ausland erschließt und die Nachfrage ankurbelt. Zusätzlich soll das aktuell bestehende Milchpreissystem, das mehrere Klassen von Milch je nach Endverwertung unterscheidet, abgelöst werden von einem freien Wettbewerb um die Rohmilchpreise. Heute bestehende Milchmarkt-Programme sollen völlig wegfallen und durch die beschriebenen ersetzt werden.
Milcherzeugersteuer statt Erzeugergesteuert
Diese Mechanismen wirken erst einmal sehr kompliziert. Deshalb möchte ich versuchen, die Sache mit naiven Augen zu betrachten, um erst im Anschluss auf die differenzierten Kommentare der Erzeugerverbände einzugehen. Mein Einkommen als Milcherzeuger sinkt, entweder weil die Futterkosten gestiegen sind und der Milchpreis gleich geblieben ist; oder weil der Milchpreis gesunken ist. Dies kann an einer veränderten Nachfragesituation liegen oder aber an meiner Schwächeposition gegenüber der Molkerei. Gegen letztere Ursache nützt das neue Gesetz nichts. Auf eine gesunkene Nachfrage will man zukünftig mit einem geringeren Milchauszahlungspreis reagieren und hofft so, dass Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen. Alle Erzeuger erhalten nun weniger Geld von der Molkerei, nachdem sie wegen der schlechten Margen bereits zwei Monate lang weniger Geld verdient haben. Drosseln sie ihre Produktion, ist der Verlust etwas geringer. Da sie auch Geld in eine Risikoversicherung gesteckt haben, können sie darüber den gesamten Verlust etwas verringern. Von Kostendeckung aus dem Milchpreis steht in dem Gesetzesvorschlag gar nichts. Und auch die Mengenregulierung greift erst, wenn es schon fast zu spät ist; sie ermöglicht den Erzeugern kein vorausschauendes Planen. Die Milcherzeuger, zusammen mit den Steuerzahlern, finanzieren so die Kosten für die Risiken einer Überproduktion von der die Milchindustrie profitiert, ohne dass sie als Erzeuger einen realen Einfluss auf Menge oder Preis erhalten.
Keine Stärkung der Erzeuger am Markt
Hier setzt auch die Kritik am Dairy Security Act an. Der NFFC (National Family Farm Coalition), Dachverband der Familienbetriebe, bemängelt, dass mit dem vorliegenden Gesetzvorschlag die Preiskontrolle weiterhin bei den Molkereien bleibe und dass die Erzeugersituation sich durch die neue Abhängigkeit von der „Margen-Versicherung“ noch verschlechtern würde. „Als Verband für die Milcherzeuger halten wir ein staatlich gefördertes, aber letztendlich privates Versicherungsprogramm für den völlig falschen Weg, Milcherzeuger für ihre Milch zu bezahlen.“ NFFC führt in einer Presseerklärung weiter aus: „Im Vorschlag FFTF soll der Milchwert außerdem über ein „Konkurrenzpreissystem“ bestimmt werden, indem die Preise, die Molkereien ihren Zulieferern für weiter verarbeitete Milch bezahlen, gesammelt werden. Es gibt keinerlei Grund zur Annahme, dass dieses System zu höheren Milcherzeugerpreisen führen wird geschweige denn eine Weitergabe des Profits aus dem Verkauf der Endprodukte durch die Molkereien an die Milcherzeuger stattfindet. Wir wollen einen echten Wettbewerb, der auf fairen Milcherzeugerpreisen und dem Aufbrechen der monopolistischen Kontrolle der Genossenschaften beruht, die weder im Interesse ihrer Mitglieder noch im Interesse der Verbraucher  handeln.“
Banken würden zukünftig eventuell darauf bestehen, dass der Erzeuger eine Margenversicherung abschließt bevor Kredite vergeben werden. Somit wäre die Freiwilligkeit des Programms in Frage gestellt. Kleine Betriebe, die bisher bei sehr niedrigen Marktmilchpreisen Direktzahlungen aus dem Milk Income Loss Contract (MILC) Programm erhielten, werden mit einer Margenversicherung schlechter gestellt als vorher und sind unter Umständen in ihrer Existenz gefährdet.
Nun hat am 10.11.2011 die amerikanische Zeitung Dairy Week die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die die möglichen Auswirkungen der Umsetzung des Dairy Security Act analysiert:  „Die Reformen könnten  zu einer Senkung des US-Milchpreis um 92$Cent / cwt führen, die Mengenregulierungs-Programme in könnte in 40-45% der Perioden eines Jahres angestoßen werden und das Netto-Hofeinkommen würde um 32-48% sinken.“ Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Universität Wisconsin erstellt.   Sie  unterscheidet in den Wirkungen auf das Einkommen noch zwischen vier unterschiedlichen Betriebsgrößen: Betriebe mit weniger als 250 Kühen hätten einen Verlust von 24% zu erwarten, Betriebe mit bis zu 500 Kühen einen Verlust von 61%, solche mit bis zu 2000 Kühe 44% und Betriebe mit mehr als 2000 Kühen einen Verlust von 34%. NFFC und andere Kritiker der Reformvorschläge des Dairy Security Act bekommen mit dieser Studie Rückenwind für Alternativvorschläge zur Stabilisierung der Erzeugerpreise und des  gesamten Sektors.
Die Mitgliedsverbände des NFFC  treten für die Wiedereinführung des „Federal Milk Marketing Improvement Act“ ein, der es Milcherzeugern ermöglicht, die Milchmenge selbstfinanziert und eigenständig zu steuern und so kostendeckende Milchpreise zu erzielen. Die Debatten in den USA zeigen deutlich, dass wo Mengenregulierung draufsteht nicht automatisch Agrarpolitik für nachhaltige, flächendeckende Landwirtschaft drin steckt. Es kommt entscheidend auf die Ausgestaltung an. Die Erzeuger müssen Einfluss auf die Steuerung der Menge haben und dürfen nicht nur diejenigen sein, die sie ausführen.  Der beschriebene  Gesetzvorschlag bietet jedoch große Einsparpotentiale in der Milchpolitik. Angesichts der angespannten Finanzlage und des geplanten Schuldenabbaus kein unwichtiges Argument in der Debatte um die Neugestaltung des Farm Bill in 2012 (Äquivalent der Agrarpolitik der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU).

Sonja Korspeter
Buchtip: „Die Kuh ist kein Klimakiller“
Kühe rülpsen Methan und Methan ist 25 Mal klimaschädlicher als Co2. Dennoch sind Rinder unverzichtbar für die Welternährung durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels: In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer das Potenzial, Kohlenstoff als Humus im Boden zu speichern.
Die höchsten Emissionen gehen von der synthetischen Düngung der großen Monokulturen Mais und Sojabohnen aus. Sie verbraucht viel Energie und setzt Lachgas frei – 295 mal klimaschädlicher als CO 2.
Kühe, Schafe und Büffel können in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert aber durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Aber statt dessen werden sie mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht. Milch und Fleisch aus Intensivproduktion sind nur scheinbar billig. Die Rechnung kommt später. Denn Monokulturen verdrängen die biologische Vielfalt und die CO 2-Speicher: das Grünland und den (Regen-)Wald. Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto wichtiger wird die Bodenfruchtbarkeit zur Sicherung der Ernten bei gleichzeitiger Begrenzung klimawirksamer Emissionen. Aber das agroindustrielle System heizt den Klimawandel an und erhöht dadurch die Risiken für die Welternährung dramatisch. So haben die Böden Nordamerikas in den vergangenen 100 Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fruchtbarkeit verloren.
Dieses Buch stellt die Systemfrage und bietet weit mehr als die Rehabilitierung der Kuh: Es belegt die Multifunktionalität des Boden-Pflanze-Tier-Komplexes in der nachhaltigen Landwirtschaft, nennt die wissenschaftlichen Fakten und lässt Menschen zu Wort kommen, die mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wieder auf die symbiotischen Potenziale der Weidewirtschaft mit Kuh und Co. setzen.

Anita Idel: Die Kuh ist kein Klima-Killer, Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können „Agrarkultur im 21. Jahrhundert“ ca. 180 Seiten · 18,00 EUR, erhältlich auf deutsch.


ISBN 978-3-89518-820-6.
Zahlentip: „Milch und Milcherzeugnisse in der Europäischen Union“
Der Milchsektor ist für die Europäische Union (EU) aus einer Reihe von Gründen von großer Bedeutung. Am auffälligsten ist, dass ausnahmslos alle Mitgliedstaaten der EU Milch erzeugen. In vielen Regionen der EU, die häufig von besonderem landwirtschaftlichen Wert oder Wert für die Umwelt sind (wie z.B. Bergregionen), ist die Milchwirtschaft der wichtigste Sektor. Die Milchviehhaltung hat diese Landschaften geprägt. Das Molkereiwesen besitzt daher eine Bedeutung, die weit über die Statistik hinausreicht. Durch die Milchviehhaltung erhalten viele ländliche Gebiete ihren speziellen Charakter, und ein florierender Milchsektor ist wichtig für Wirtschaft und Beschäftigung.

Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, EU-Kommission, Milch und Milcherzeugnisse in der Europäischen Union, Der Milchsektor der EU in Zahlen, ca. 52 Seiten, 29-34 EUR, Dictus Publishing (26. Mai 2011), erhältlich auf deutsch und englisch.
Milch und Milcherzeugnisse in der Europäischen Union, ISBN-13: 978-3844369229 (DE)
Milk and Milk Products: Summary Report, ISBN-13: 978-3843335737 (EN)

Buchtip: Empört Euch!
„93 Jahre. Das Ende ist nicht mehr sehr weit. Welch Glück, dies als Anlass nehmen zu können, um daran zu erinnern, was das Fundament meines politischen Engagements war: das Programm, das der Conseil National de la Résistance (Nationaler Widerstandsrat) vor 66 Jahren erarbeitete!“ Welch Glück, an den Erfahrungen dieses großen Widerstandskämpfers teilhaben zu können – Überlebender der Lager Buchenwald und Dora und Mitverfasser der Allgemeinen Menschenrechtserklärung von 1948 mit den Würden eines französischen Botschafters und Kommandeurs der Ehrenlegion!
Für Stéphane Hessel war das „Grundmotiv des Widerstands die Empörung“. Die Gründe, sich in unserer heutigen komplexen Welt zu empören, mögen zugegebenermaßen weniger klar erscheinen als zu Zeiten des Nationalsozialismus. Aber „wenn Sie suchen, werden Sie Gründe finden“: die zunehmende Kluft zwischen steinreich und bettelarm, der Zustand unseres Planeten, die Behandlung von Menschen ohne Aufenthaltsberechtigung, von Einwanderern, von Roma, die Hast nach immer mehr, nach Wettbewerb, die Diktatur der Finanzmärkte bis hin zu den verramschten Besitzständen der Rente, Sozialversicherung … Um wirklich etwas zu bewirken, gilt es wie einst vernetzt zu handeln: Attac, Amnesty, die Internationale Liga für Menschenrechte… sind Beweise dafür.
Man kann Stéphane Hessel also glauben, und in seine Fußstapfen treten, wenn er zu einem „friedlichen Aufstand“ aufruft.
Zu ergänzen wäre noch die soziale Bewegung der Milcherzeuger! In seinem zweiten Buch mit dem Titel „Engagiert Euch!“ spricht Stéphane Hessel im Interview auch von der Notwendigkeit einer Landwirtschaft, die zunächst den Bedürfnissen der Gesellschaft und der Natur entspricht und vor allem nicht an der Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse orientiert ist.


Stéphane Hessel, Empört Euch!, 32 Seiten, 3,99 EUR, Ullstein (8. Februar 2011), in französischer, deutscher und englischer Sprache erhältlich
Indignez-vous! ISBN-13: 978-2911939761 (FR)
Time for outrage: Indignez-vous!  ISBN-13: 978-1455509720 (EN)
Empört Euch!  ISBN-13: 978-3550088834 (DE)
Kalender „Kühe 2012″ mit Amélie, Regina und vielen anderen
Die Titelkühe ebenso wie ihre Kolleginnen auf den zwölf Monatsseiten haben alle Namen, was den lebendigen Fotos einen eigenen witzigen Charakter verleiht. Es gibt den Kalender auch mit „Gänsen und Enten“, mit „Schafen“, „Eseln“ und mit „Klassischen Traktoren“.
„Kühe 2012″, Vierfarbkunstdruck, 475 *330mm, je 14,99€ plus Versandkosten, ISBN-13: 978-3868524017.

Termine des EMB-Vorstands im Dezember
Hier einige der wichtigsten Termine des EMB-Vorstands im Dezember:
15.12.2011: Treffen mit dem Agrarminister Ungarns in Budapest
12.12.2011: Treffen mit dem Agrarminister Bulgariens in Sofia
06.12.2011: Beratender Ausschuss Milch, in Brüssel

Gedicht:  Butterberg im Nebelmeer
Wo Butterberge sich erheben
da kann es keinen Hunger geben
logo denkste doch oho
der Hunger nagt bloss anderswo
Wenn Butterberge sich erheben
dann könnt man diese weitergeben
dann wär man – Mensch wie grandios
auf einen Streich zwei Übel los
Man müsste bloss den ganzen Schmarren
zollfrei über Grenzen karren
so läufts doch längst schon hin und her
im schrankenlosen Grenzverkehr
Doch wie man weiss führt Emma Klein
bei Überschuss noch Butter ein
du fragst warum so was passiert
na ja – weil Überschuss rentiert
Denn so kann man die Preise drücken
und Wirtschaftsbosse hoch beglücken
derweil der Bauernstand voll Wonne
zerschmilzt wie Butter an der Sonne
So läuft das Spiel flott hin und her
mit Butterberg und Molkenmeer
bis es der letzten Milchkuh tagt
und sie fortan den Saft versagt
Dann schaltet Emma gar nicht dumm
auf Black- und Redbullpisse um
derweil ihr CEO über Nacht
aus Scheisse weiter Kohle macht
So zeigt sich dass auf diesem Mist
bald gar nichts mehr in Butter ist
drum Bauern nehmt in jedem Land
den Handel in die eigne Hand
Wenn Bauern weltweit sich vernetzen
Profit und Gier in Grenzen setzen
die Konsumentinnen mit im Boot
dann kehrt Butter aus der Börse
zurück aufs täglich Brot

Gedichtet und gesungen von Jakob Alt am 29.11.2011 an der Basler Grenze

European Milk Board
Bahnhofstr. 31
D-59065 Hamm
Germany
tel: 0049/2381/4360495
fax: 0049/2381/4361153
mobile: 0049/1786021685
e-mail: korspeter@europeanmilkboard.org
Homepage:www.europeanmilkboard.org

Silvia Däberitz, EMB

© 2022 IG-Milch – Verein österreichischer Grünland- und Rinderbauern