EMB Newsletter Jänner 2012

Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern, liebe Interessierte,

Mit Beginn des Jahres 2012 nehmen die Unsicherheiten auf dem Milchmarkt zu. Hintergründe sind die weltweit steigende Milchproduktion bei gleichzeitig hohen Risiken, was die Wirtschaftsentwicklung anbelangt. Wirtschaftskrisen führen aus Erfahrung schnell zu einem Absatzrückgang von Milchprodukten. Eine neue Milchmarkt- und Preiskrise kann somit jederzeit auf uns zukommen.

Viele der Verantwortlichen in Politik und EU-Kommission scheinen sich dessen bewusst zu sein. Wird doch in letzter Zeit so viel von Krisenbewältigung und -management gesprochen, wie schonlange nicht mehr.

Doch welche Instrumente sind vorhanden? Welche sollen wann und nach welchen Kriterien eingesetzt werden? Welche Ziele werden mit dem Krisenmanagement verfolgt? Sind Stabilität und ein funktionierender Markt für Erzeuger und Verarbeiter bis hin zu den Verbrauchern das Ziel? Oder soll, wie 2009 erst bei einem Erzeugerpreisniveau von 20 Cent eingeschritten werden, um lediglich einen völligen Zusammenbruch des Milchmarktes zu verhindern?

In diesem Zusammenhang spielt die Diskussion um die Marge eine wichtige Rolle. Je geringer der Verdienst der Milchbauern wird, desto kritischer wird die Situation. Daher müssen Mechanismen gefunden werden, die greifen, wenn die Margen sinken, und die helfen, solchen Krisen, wie wir sieerlebt haben, vorzubeugen.

Die Mitglieder des European Milk Board sind davon überzeugt, dass eine flexible Mengensteuerung durch eine unabhängige Markt-Monitoringstelle am besten geeignet ist, um diesen Unsicherheiten zu begegnen. Und inzwischen sind wir nicht mehr die Einzigen, die für eine solche Regelung eintreten. Auch Kollegen aus anderen Bereichen setzen sich inzwischen für Maßnahmen der Mengenregulierung ein – wie etwa Wyno Zwanenburg, der Vorsitzende der niederländischen Branchenorganisation für Schweinehalter (NVV), der eine Mengenbegrenzung der Schweinefleischproduktion in der EU fordert.

Noch hat die Milchquote Gültigkeit. Die Zeit bis 2015 sollte im Krisenfall genutzt werden, um beispielsweise das Instrument einer freiwilligen Mengenstilllegung einem Stresstest zu unterziehen. Eine solche Maßnahme wurde durch die Kommission selbst ins Gespräch gebracht. Als Kriterium für den richtigen Einsatzzeitpunkt kann die Marge dienen. Bis 2015 müssen neue Instrumente ausgereift sein. Die Zeit des Experimentierens ist dann endgültig vorbei.

Als Milcherzeuger müssen wir in 2012 auch die Bündelung der Rohmilch weiter vorantreiben, damit wir in einem ausbalancierten Markt die Verhandlungsmacht über unser Produkt und seinen Preis auch wahrnehmen können. Verträge an sich sind keine Lösung. Aber über Verträge zwischenbreit aufgestellten Milch Boards und Molkereien können Milcherzeuger am Markt wieder agieren und ihre Milch nicht nur abgeben sondern zu einem fairen und kostendeckenden Preis verkaufen.

In diesem Newsletter finden Sie auch einen Artikel über das Fortschreiten der fairen Milch. In fünf Ländern ist sie inzwischen in unterschiedlichster Form zu haben. Sie ist nicht nur ein gutes und fair bezahltes Produkt, sie erleichtert auch unsere Aufgabe, den Dialog über faire Preise mit Verbrauchern und gesellschaftlichen Verbänden zu stärken.

Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin wird das EMB seine Positionen im Rahmen einer Pressekonferenz präsentieren und zusätzlich mit einem Messestand die Faire Milch auch einembreiteren Publikum vorstellen. In einem von der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ organisierten öffentlichen Gespräch mit EU-Kommissar Dacian Ciolos werden wir als EMB-Vorstand die Sichtweise der Milcherzeuger zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen einbringen.

Ich wünsche Ihnen / Euch viel Kraft und alles Gute für 2012! Wir sind auf dem richtigen Weg!

Mit herzlichen Grüssen, Romuald Schaber, Präsident des EMB

 

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