Ökonom: Hochproduktiv, idyllisch und tiergerecht geht in der Landwirtschaft nicht zusammen

Bauern unter Druck

Landwirte sollen nach dem Willen der EU-Kommission nachhaltiger produzieren. Eine stärkere Liberalisierung hält der Schweizer Ökonom Binswanger für kontraproduktiv.

www.derstandard.at: 8. Juni 2020, Regina Bruckner

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Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, soll die Landwirtschaft ergrünen. Bauern müssten einiges ändern.
Foto: APA/Fohringer

Höhere Anforderungen in Sachen Klimaschutz, Biodiversität und Tierwohl, Wetterkapriolen oder der Kampf um jeden Cent für ihre Produkte: Die Sorgenliste der Landwirte und ihrer Vertreter ist lang. Die neuen Pläne der EU, die Landwirtschaft grüner zu gestalten, könnten die Betriebe noch stärker unter Druck setzen, fürchten viele. Die EU-Kommission will bekanntlich einen tiefgreifenden Wandel zu mehr Nachhaltigkeit herbeiführen. Heute, Montag, will der kroatische EU-Ratsvorsitz den Landwirtschaftsministern die „Vom Hof auf den Tisch“ genannte Agrarstrategie Brüssels im Rahmen des Green Deals schmackhaft machen. Ziel ist es unter anderem, die Lebensmittelproduktion auf neue Beine zu stellen. Die Wunschliste ist lang: Halbierung des Pestizideinsatzes, Einführung eines Nährwertlogos auf Lebensmitteln, deutliche Reduktion des Einsatzes von Antibiotika für Nutztiere, mehr Biofläche in Europa – all das bis 2030.

Für den Schweizer Ökonomen Mathias Binswanger ist die Zurückhaltung durchaus begründet. Binswanger beschäftigt sich mit der Frage, was die Globalisierung für die Landwirtschaft bedeutet. „Mehr Wohlstand durch weniger Agrarfreihandel“, lautet der Schluss, den der Ökonom in seinem gleichnamigen Buch zieht.

Freihandel sei nicht grundsätzlich schlecht. „Aber es gibt ein paar Bereiche, wo es nicht das Wichtigste ist, dass man dort produziert, wo es am billigsten ist“, sagt Binswanger im STANDARD-Gespräch. Bei der Landwirtschaft gäbe es weitere Gesichtspunkte, die eine Rolle spielen – multifunktionale Leistungen wie Versorgungssicherheit, Ökologie oder der Erhalt der Kulturlandschaft. Gute Gründe, wie Binswanger findet. Das gelte für Länder wie Österreich und die Schweiz gleichermaßen: „Nahrungsmittel kann man anderswo billiger produzieren.“

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